Latin Modern

Beispieltext mit der Latin Modern.
Beispieltext mit der Latin Modern.

Für die meisten Dokumente ist die LaTeX-"Standardschrift" völlig ausreichend: Sie lässt sich gut lesen, enthält verschiedene Schnitte und eine Vielzahl von Glyphen, insbesondere für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Satz. Allerdings sollte man wissen, dass es sich bei Computer Modern, kurz CM, um die von TeX-Entwickler Donald Knuth entworfene, heute aber nicht mehr weiterentwickelte ursprüngliche Schriftart handelt. Außerdem sind in ihr z.B. keine Umlaute oder akzentuierte Buchstaben vorgesehen, sondern werden nur zusammengesetzt (z.B. a + Doppelpunkt (um 90° gedreht) = ä). Das macht dem Umbruch-Algorithmus von LaTeX Probleme, da die Wörter mit zusammengesetzten Glyphen als zwei Wörter statt ein Wort gewertet werden.

 

Daher wurde mit Latin Modern, kurz LM, eine neu geschnittene Schriftart entworfen, die alle Unzulänglichkeiten der Computer Modern behebt und die Schrift in die Moderne hebt: Nun hat sie speziell designte Umlaute und akzentuierte Buchstaben. Mängel im Kerning, der Glyphenform und anderes wurden korrigiert. Außerdem wird, im Gegensatz zur CM, die Latin Modern immer noch weiterentwickelt und somit stetig verbessert. Wer daher die Standard-Schriftart von LaTeX gern verwendet, sollte auf die Latin Modern-Schriftart umschalten! Und das geht sehr einfach, indem man das Paket

\usepackage{lmodern}

in die Präambel lädt. Beim schnellen Überfliegen seines Textes werden einem kaum Unterschiede zu Computer Modern auffallen (leichtes Unterscheidungsmerkmal: das unterschiedliche Eszett ß!). Selbstverständlich sollte man nicht auf das Hinzuladen des microtype-Pakets verzichten!

 

Die Regular der LM enthält 822 Glyphen mit 9.230 Kerning-Paaren.

Praktische Beobachtungen

Die Latin Modern ist im Grunde nur für den Druck brauchbar und erscheint am Bildschirm viel zu dünn. Aber bei der LM handelt es sich sowieso um eine sehr zierliche Schriftart, sodass auch bei geringauflösenden Druck die Serifen wegbrechen können (siehe unten).

Wer die Schriftart außerhalb von TeX, d.h. in einer herkömmlichen Textverarbeitung wie MS Word oder LO Writer verwenden möchte, sollte darauf achten, dass man sich der vorgegebenen Designgrößen ("lmroman8" für 8pt und "lmroman10" für 10pt) bedient, damit der Text im Druck nicht zu dünn oder dick wirkt. Die Schriftart kann hier heruntergeladen werden.

 

Achtung! Im direkten Vergleich desselben Textes, einmal in LibreOffice Writer, einmal in LaTeX gesetzt, gibt es signifikante Unterschiede!

Es wurden zur Feststellung der optimalen Einstellungen gesetzt und gedruckt:

  • Je der gleiche Text in 10, 11 und 12 pt, also den gängigen Druckgrößen.
  • Jeweils ohne Anpassung des Durchschusses, einmal mit 1,5-fachen Zeilenabstand.
  • Alles mit den gleichen Einstellungen mit einem Laserdrucker auf normalgewichtiges Kopierpapier gedruckt.

Folgende Ergebnisse lassen sich feststellen:

Beste Schriftgröße

Die 12pt ist in jedem Fall zu groß, die 10 pt gerade noch angenehm lesbar, die 11 pt am besten. Das bedeutendere Problem ist eigentlich, dass bei 10pt bereits die Serifen wegbrechen und ein mehr oder weniger fleckiges Schriftbild entsteht (z.B. der Fuß vom Minuskel-t oder der Querstrich vom Minuskel-e, auch Gedankenstriche werden zu haarfeinen Linien).

In dieser Hinsicht sei also die 11pt empfohlen.

Durchschuss

12 pt, TeX: Ohne Anpassung des Durchschusses (single-spacing) ist der Satz zu eng, das Schriftbild zu dunkel; mit 1,5-fachen Zeilenabstand (onehalfspacing) allerdings fast zu weit. Besser ist 1,3-facher Zeilenabstand. Im LO Writer entspricht der unbeeinflusste Zeilenabstand einem 1,5-fachen in TeX und ist damit ebenfalls etwas zu weit.

 

11 pt, TeX: Ohne Anpassung (single-spacing) fast zu eng, aber in Ordnung, eben platzsparend. Mit 1,5-fachen Zeilenabstand etwas zu weit, hier verliert mein Auge andauernd den Übergriff auf die nächste Zeile. Hier entscheidet der Setzer zwischen Platzersparnis und angenehmeren Lesen.

 

10 pt, TeX: Hier sollte 1,5-facher Zeilenabstand verwendet werden.

Laufweite

Eine kuriose Beobachtung: Derselbe Text wird in einer unterschiedlichen Laufweite gesetzt, je nachdem, ob er mit LaTeX oder LibreOffice Writer erzeugt worden ist! Möglicherweise hat das microtype-Paket etwas damit zu tun.

Ich habe nachgemessen, dass die Laufweite in dem mit LO Writer erzeugten Text geringfügig größer ist (als in dem von TeX erzeugten), und deshalb die Zeilenlängen und Wortzwischenräume etwas ausgefallener erscheinen. Besser ist aber die enger laufende Variante, wie sie TeX erzeugt!

Druckqualität im Vergleich

Beim Vergleich des Textes jeder Schriftgröße stellte sich heraus, dass viel mehr Serifen beim von LO Writer erzeugten Beispieltext wegbrechen, obwohl es sich angeblich um dieselbe Designgröße handelt. Bei 11 und 12 pt wird das nicht sofort ersichtlich, bei 10 pt schon. Hier kann man im Writer-Text bei fast jedem Wort eine nicht oder kaum gedruckte Serife erkennen, während sie beim TeX-Erzeugnis meistens noch lesbar sind. Aber 10 pt empfehle ich ja sowieso nicht zu setzen.

 

Möglicherweise gibt es bei einem höherauflösenden Druck und besseren Papier keine wegbrechenden Serifen mehr, aber unter den gleichen Bedingungen schneidet das TeX-Erzeugnis besser ab – sowohl bei wegbrechenden Serifen als auch in der Laufweite.

Zusammenfassung

Ich empfehle:

Latin Modern und microtype in TeX, bei 11 pt und 1,5-fachen Zeilenabstand.

 

Hier ein Beispiel für den Quellcode:

\documentclass[11pt,a4paper,DIV=calc]{scrartcl}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage{lmodern,microtype}
\begin{document}
Text mit Latin Modern!
\end{document}

Latin Modern Mono als Editor-Schriftart

Der Monospace-Schnitt der Latin Modern ("Latin Modern Mono") eignet sich im Übrigen sehr gut beim Einsatz als Schriftart für den Quellcode-Editor.