Gedichte (2005–2006)

Die Unerkannte

Sie eint nicht das, was gleich zu sehen,
versteckt nicht, was benommen macht.
Zeigt sich nicht als überlegenes Wesen,
zeigt ihren Einfluss, indem sie lacht.

Schönheit ist nicht ihr bekanntes Werk,
Mut hält sie im Untergrund.
Freiheit ist ihr unter die Haut gezeichnet,
und großes Wissen steht ihr im Bund.

So gleicht es einem stummen Tadel,
einer Ehrfurcht, die keinen Gläubigen ermahnt.
Doch schon zu bekennen, was ihr verborgen
und jeder in sie Verliebte ahnt.

»Herrschaft«. Dieses karge Wort hinfort
und aufgestülpt den neuen Sinn:
So sind es Edelmut und Eleganz,
denen ich so hoffnungsvoll zugetan bin.

Der Träger ihres Seins

Dem geschulten Auge, muss ich mir sagen,
ist es minder ein vages Wagen,
sich vorzustellen, was gottgleich scheint
und Anmut mit Geduld vereint.

Mich erhellt allein der Gedanke,
dass ich nicht um die Erkenntnis zanke,
ihre Erhabenheit zu ignorieren:
ihr Vergnügen zu verlieren …

Denn nur, was einig und was duldsam ist,
gelangt keinesfalls in jenen Zwist,
der als Brücke die Menschen und das Glück verbindet,
und als Pförtner neue Wege findet,
die Verliebten mit Pein zu verführen,
die Begehrten mit stolzen Worten zu berühren:
den Wahnsinn um sich herumzuziehen,
und dennoch … vor nur einer Frau zu knien!

… Vor einer Gestalt, die so haltlos schön,
dass ein jeder Vers sie falsch beschreiben würde.
… Die so erhebend lieb,
dass sie zu lieben bereits die größte Hürde!

Glaubensbekenntnis

Belege, was dir heilig ist
und unvereint aus Geist und Tat.
Erhöre, wer besprochen wird
und unter den Schutz der Götter trat.

Wisse, was der Leidende fühlt
und traue dich, in Schmerz zu handeln:
So wird auch dir wie ein Bekenntnis
die Habsucht sich in Schweigen wandeln.

Gestillt, verehrt, verwehrt geboren
ist ein Neubeginn im Leben.
Unbewusst, sich anzumerken,
wird nur ein Gott dir Erleuchtung geben:
Geführt aus fremden Wäldern
ist es Stolz, der uns verführt –
und gleich dem Wink eines Heiligen
uns wie Recht auf Recht … gebührt.

Die Erwartung

Der Grund für alles Unbehagen
ist Habsucht, die uns mit Genuss verzehrt.
Die Einen mögen darüber klagen,
sind widerlich und ungeehrt.

Doch ich bin alles.
Bin Schein und Wahrheit bis zum Tod.
So weiß ich gleichsam alles.
Und kenn' allein den Weg aus dieser Not.

Ich gestehe, nicht ohnehin zu kommen
dich anzusehen, und sofort zu denken,
dass ich nicht nur von dir benommen
und sich meine Gedanken zu dir lenken,
sondern ich Betörung empfinde.
Glieder zappeln, Worte schweben,
und ich wünschte für alle Zeiten,
mit dir als Gefährtin fortzuleben.

Das verlöschende Licht

Sich das Leben vorgestellt,
was Liebe unbedingt belehrt:
Siehe, wie es sich im Traum verhält,
und dir die Schönheit widerfährt!

Da steht ein Mädchen im weiten Bogen,
schmiegt sich herzlich an den kalten Stein.
Ist wie die Unschuld unbelogen,
und mag trotzdem nicht alleine sein.

Sie blickt mich an. Jeder Wimpernschlag,
den sie flüchtig auf mich wirft,
ist viel mehr, als ich je ertrag' …,
oder an Liebe je bedürft'!

Doch Heiliges lässt sich nicht bestreiten:
ein Mahnmal für jenen treuen Glauben,
in dem einen nicht die Götter leiten,
sondern dir allein die Wahl erlauben.

Die Illusion verfliegt, das Mädchen geht.
Und dennoch ist mein Geist gefrischt:
Sie für mich noch immer im Bogen steht,
auch wenn das Licht an ihrem Fenster,
zu Dämmerung und Einsamkeit verlischt!

Der Bestohlene

Es trügt die Wahrheit zu vergiften,
und stilles Denken eint uns fast.
So beliebt der weise Herr zu richten:
des Guten Würde, des Sünders Last.

Man versteht nicht viel von allen Dingen,
doch Weniges scheint uns zu gut.
Das Wahnspiel um den eigenen Status,
erregt in mir diese eine Wut:
beschreiben ließe sich's mit Argwohn:
ganz unbehelligt nimmt er sich,
was verschmäht von braven Geistern,
die doch geprägt – ganz liederlich.

Mein Wissen um die Welt ist einfach,
und einfach scheut nicht, Recht zu haben!
So mag man verkünden, dass sich beseelte Leute
an Wohlstand wie an Habgier laben!

Der reine Schmerz, der in mir schwillt,
im Einverständnis klagt.
Und schließlich – sich seiner Sache sicher –,
den Schritt ins Ansichtslose wagt!

Traum und Sühne

Ich lebte nicht so viele Stunden,
leckte mir vergeblich Wunden,
damit am Ende einer jeden Nacht
der Wahnsinn über meinem Geiste wacht.

So bedinge ich, dass in allen Nächten,
sich Böse wie auch Verliebte ächten,
indem sie in Demut leise Gebete sprechen
und sich fürchten, wenn sie Gebote brechen!

Mein Streben, in Vorsicht anzuschwellen,
wird gestüm mein Gemüt erquellen,
und letztlich – wie schauervoller Regen –
sich über ganze Länder legen.

Das eine würdevolle Licht,
das meinem Hoffen widerspricht,
ist arglos und kümmerlich.
So bleibt der Sinn: Ich liebe Dich!
Und neben allem stillen Jammern
wird man sich an Zukunft klammern,
die träge – wie das Leben uns ein Leiden –,
sollte jeden Ratschlag meiden!

Ich glaube um die Selbsterkenntnis,
dass die Schuld an jeden angeboren.
Und erst das Streben wäre ein gerechter Preis:
der Schuldner hätte seine Schuld verloren.

Ich gestehe darum, was ich bin.
Bin es leid, meinen Mut anzuheben,
oder gar im Glauben fortzubestehen,
es könnte für mich keine Geliebte geben!

Lächerlich sind schöne Worte,
wenn sie falsche Münder rezitieren,
und in der Flut ihres liegenden Vergehens,
Ehre und auch Pfad verlieren!
Mein Sehen, das Vermächtnis ist,
spricht tadelndes Geheimnis mir vorher.
So bleibt zu schwören, dass Wut bleibt Liebe
und des verwegenen Gedankens leer.

Denn was uns häufig Schaden bringt,
nicht, wie hell der Schwerter Schneide klingt!
Es ist fast Wahnsinn, der uns schützt
und trotzdem jedem Tapferem nützt!

Das Unbeständige im Leben

Es ist ergeben, doch schert sich nicht,
es ist gekommen, doch grüßt mich nicht,
es scheint zu wissen um mein Versagen
und beliebt ferner, mit mir zu klagen!

Ich verstehe, dass der Grund zu schreiben,
oftmals nur im Kummer liegt:
Ebenso deutlich angewendet, wie jederzeit
die Wissenschaft über Religionen siegt.
Doch haben diese und das Schreiben
nur eine Sache zurzeit gemein:
Sie wissen nicht um ihren Schaffensgrund
und sollten demnach nutzlos sein!

Dagegen spricht Erinnerung die ganzen Sätze:
Belebt und weiß geschickt zu lehren:
So sey's, dass ich könnte
ein Gedicht nur wegen seinem Sinn zu ehren.
Schweigendes Fallen, das verspricht,
ist Unsinn und grenzenlose Infamie:
Ein Abbild, das zudem entsetzt,
dürft' nebenher bekennen – nie!

Doch nun zum Punkt.
Dem Sinn, von dem ich eifrig' sprach:
Er trübt und wäscht zugleich die Fantasie,
und kommt in Stufen: ruhig und gemach.
Am Ende aber zieht er Schlingen,
wie's oftmals zu allen Zeiten stand:
Es ging um Frauen, die bezirzen,
egal, ob hier oder in einem fernen Land.

Doch diese Frau, von der ich spreche,
ist heilig und galant im Wesen.
Ich würde lügen, wenn ich behaupte,
selbst Wahnsinn würde
unter ihren Blicken nicht genesen!
Doch ist es Liebe oder Götterkult?
Ist es zwecklos, sie anzustreben?
Würde mich ihr beherztes Antlitz
fort von allem Übel heben?
Ich will's riskieren zu bejahen,
auch wenn ich um's Misslingen weiß:
So ist es nun, dass mein Schicksal
ihr ein äußerst wunderliches Geheiß.

Und viel zu sehr ist schnell versprochen,
alles Wundern rasch zerbrochen –
die Leere füllt sogleich den Raum,
es war, als wär' es nur ein Traum:
Die Schatten düster, die Stimmen schwammig,
die Gestalten miteinander grau.
Doch wie in jedem meiner grauen Träume,
bist du die Auserwählte, »bunte« Frau!
Der Schatten, der nicht diesig ist,
die Stimme, die sich nicht versteckt!
Sondern die Geliebte, die an Sommertagen
um mein beschämtes Erlauben neckt!

Ich nähere mich, sie nähert sich auch,
Zusammentreffen ist die Tat,
und obgleich der Vorzug uns bestimmt,
wäre Heuchelei schon jetzt Verrat!
Das Spiel, das uns vorwärts treibt,
und gewissenlos in Zeit zerreibt,
ist ausgelegt und doch am Ende:
wie sie erwarte auch ich die Wende
zum Hochleben, zur Aphasie!
Mich scheut allein die karge Miene –
denn sie und nicht ein Gott im Himmel
bestimmt, was ich nach dem Tod verdiene!

So kann es Leben sein, das uns umgibt,
oder größtes, kummervolles Leid.
Doch anzunehmen, dass es unser Versagen wäre,
ginge in jedem Fall zu weit!
Schon lange weiß ich, was Schmerzen sind,
schon lange, was »sich zu grauen« heißt:
ich lebe nur aus einem Grunde weiter,
der mich enger an dein Lieben schweißt.
Ich brenne, fest und eins an dich,
ich fühle, was auch dir weh tut:
ich will helfen, doch ein Zusammenkommen
begründet sich nicht allein in meinem Mut!

Der Glauben, der mich fein betäubt,
meine Augen gar nach innen rollt,
ist ausgeglichen und mich ermattend,
und obendrein von mir gewollt!
Was bleibt, ist lückenhaftes Treiben –
ein schwellend' Wesen, das verlangt.
Und gierig, aber stolz in Weisheit,
um sein karges Bestehen bangt.

Mich interessiert die Güte, die uns umgibt.
Wie sie zu nutzen und missbrauchen sey.
Was daran auch so schwierig klingt:
gelingt es mir, ist's einerlei!
So höre, wie meine Worte lauten:
erkenne, dass mein Abbild dir Funktion!
Und wisse von der eigenen Sache,
und vom Strebenden gerechten Lohn!

Wisse, was auch mir was bringt,
sofern mir nur … die Gunst zu dir gelingt!

Inspiration

Gelehrig zeigt sich jene Phase,
die beliebt, zu gleichen Teilen
hinter jeder Tat zu stecken
und unter jeder Furcht zu weilen.

So ist es komisch, dass nur Sekunden
mich innigst bekömmlich lachen ließen.
Doch wollte mein entsetztes Staunen
nicht recht in diese Umwelt fließen!

Mich verwundernd erschrak es mich:
Präsenz und Stimme – von einem Wesen,
dem die Anmut angeboren
und das in jedem Wunsch belesen,
mich zu glücken, zu bezirzen
und zu inspirieren wohl noch mehr!
Denn gäbe es nicht Damen, die wie du:
Wo käme meine Poesie dann her?

Im Grunde ist mir einerlei,
dass große Herrscher und ihre Knechte
im Wandel der gestaltig' Erde
nichts bemerken von ihrem Rechte,
den Weg zu schreiten, den ich jetzt gehe,
und ohne Verdruss ihm folgen mag.
Solange, wie ich dich lieben werde
oder bis zu meinem Todestag!

Allein die Vision mir einzuprägen,
dass sonnenhelles Haar
dir Stirn und Ohren seicht verdeckt,
wie es zuvor im Schopfe war …,
sich zu bekümmern: um deinen Willen
zu bekämpfen, was dich hetzt,
und furchtlos im Schatten allen Übels
das Schwert der Trübnis für dich wetzt,
ist mir Geschenk und heiliges Omen,
das nur erwartet, im Segenswunsch zu fallen.
Auf dass deine Lehren und meine Worte
auf ewig auf der Erde hallen.

Schützen, oh, meine Inspiration,
schützen will ich dich vorm Bösen.
Möchte dich aus jedem Dienst befreien
und vom Fluch der Ehe lösen.
Doch es ist fast nicht merklich,
dass meine große und galante Macht
nicht für mich die Ehe löst,
sondern über jede Liebesbindung wacht.

Ich friere in meiner kalten Haut,
das Feuer brennt nicht nur bei mir.
So bleibt kein anderer Weg zu gehen,
als jener, der ja weg von dir!

Die Trauer greift mein Herz:
es zerrt und schlägt es immerzu.
Nun bin ich nur ein verlassener Wächter
und suche inspirierte … Ruh'.

Vom verlorenen Selbstvertrauen

Ich beuge mich über tiefe Augen,
mag bekennen, mag kaum glauben,
wie gefahrvoll doch die Tiefe ist
und wie beseelt und schimmernd du doch bist.

Zu denken, dass das Leben streitet
und ferner über alles Unglück reitet,
schien in diesem Moment rasch einerlei,
er wünschte sich den Kuss herbei.

Und als der Kuss dann nahe war,
wurde jeder Zweifel rar:
Die Lieblichkeit wurde ausgeführt,
die Wangen, wie auch die Hand berührt,
und Haare, feiner Taubenschwingen,
ließen mich in ihr Beisein dringen:
Wie käme das?, wollt' ich wissen,
ließ sich nun die Scheu vermissen,
die immerfort die Habsucht trägt
und mitunter auch den Totsinn wägt.

Doch nichts von dem war uns erfahren,
ließ uns Anblick und auch Ehre wahren …,
ließ begreifen, wie es sich ziert,
wenn man jede Angst verliert.

Der Kuss – er kam wie warm bestellt –
und ob es im Worte wohl gefällt,
ist nicht Gedanke in meinem Geist,
der sich um alles Geliebte sehr befleißt.

Das zarte Zaudern vor dem süßen Kuss
war in uns niemals Verdruss:
Vielmehr – so wirkt es in allen Fabeln –
sollte man sich selber tadeln!

Und wie ich verstehe, dass Zeiten weichen
und noch mehr dem Abschied gleichen,
bin ich bereit, sie zu vergessen,
und bin ich bereit, wie besessen,
sie niemals aus meiner Seele auszuschließen,
nur noch ihre Andacht zu genießen …,
sie von meinem Leben wegzudrücken,
mich an ihrem Lächeln zu beglücken,
sie zu bannen – als Exilant,
sie zu rufen – an meine Hand,
mich von ihrem Schweif zu trennen,
ihren Namen neu zu nennen.

Was bin ich, wenn ich uneins spreche,
und wirr vergessene Gebote breche?

Das Wiedersehen der Verführung

Sich gegenwärtig abzusehen,
allein den Grund nur zu verstehen,
dass einsame Stunden an bitteren Tagen
mir wie gewohnt im Kopfe klagen.

Doch unverständlich, wie geschehen,
sollte ich bald Hoffnung sehen,
sollte wissen, was es heißt,
wenn die Trauer von meinem Schatten reißt.

Ich glaube nicht, doch steht sie hier,
gibt sich erhaben, ich das Wort verlier',
und auch die Tat in meinen Händen
sollte sich fortan an Andere wenden.

Da ist die Botschaft, die beglückt,
die Bezirzende, die mir näherrückt.
Da ist die Eine, nach der ich mich sehnte
und bei jedem Gebet erwähnte.

Sie blickt hernieder, ich hinauf,
doch weiß ich schon um den Verlauf,
der mich gewiss beflügeln kann,
schon zieht sie mich in ihren Bann:
hebt das Auge, kniet die Stirn,
mein Atem wird zu blauem Firn,
die feinen Lippen, die mich rufen,
heben mich auf neue Stufen,
das Haar, das ihr ins Gesichte schlägt,
mich in ferne Welten hebt.
Und zuletzt ist es ihr Betragen,
ich wage es ihr kaum zu sagen:
die Lieblichkeit, die uns vereint,
nur sie – und keine Andere meint.