Gedichte (2013-2007)

Siehe meinen Wunsch

Selbstbildnis eines Schriftstellers

An einem tristen Winterabend
schaue ich erbost gen Horizont.
Ich blicke in meine eigene Zukunft,
hab' nie Besseres gekonnt':

Was edel ist, wird wertlos sein,
im Schatten stehen meine Träume.
So sehr ich unter Gewohnheit leide,
umso mehr ich mein Verkennen säume.

Das ruhelose Band fliegt an die Grenzen
dessen ich es sehen kann.
Die Hoffnung reißt mich,
verfügt knie ich darnieder,
und hebe mein Erwarten an.

Was für mich dereinst geschaffen,
habe ich mir selbst erdacht.
Im Konsens mit der weiten, trögen Stille
ein neuer Geist in mir erwacht.

Nun ringen wir, dem Ziele fern,
mit gleichem Recht und gleicher Kraft,
bis des einen Lebenszeit dem Ende naht,
oder der andere aufzehrt, was der erste ihm erschafft.

Während eine Seele geht

… die Übermacht an Unvernunft
die Eile weitertreibt und weiterhetzt,
den Sterbenden nur mehr verletzt.

Im Momente seines letzten Atemzugs
das unwissende Volk der Gafferschaft
nur sich bedenkt, den Tod nicht sieht,
bloß sich bewegt aus eigener Kraft.

Verloren wie ein Blatt im Herbst
der Leidende wie auch der Betrachter ist.
Für ihn ein Warten aus Unverständlichkeit,
für den Sterbenden die letzte Frist.

Und ahnt er nun den Weg vor sich,
die Herrlichkeit der scheidenden Lebensmuße
um seinen erkaltenden Nasenflügel weht,
so auch der Wartende, der Gaffende,
in seinem unbedeutenden Wege weitergeht.

Am Strand

Sey mein Name

Sey wie mein Name:
gehöre zu mir und identifiziere mich.

Lass mich dich in Demut und Gewohnheit
in meine Schriften einfließen.

Lass mich bei dessen Ruf aufmerksam werden,
wie ich es bin, sogleich ich dich sehe.

Lass ihn Teil meiner Nachkommen werden,
so wie ich mir wünsche, dass du Teil von ihnen bist.

Lass meinen Namen das erste sein,
das ich im Leben schreiben konnte;
so wie du das erste warst, das mir Leben gab.

Und lass meinen Namen das Letzte sein,
das man mir im Tode zuruft;
so wie ich wollte, dass du ihn rufst.

Lass meinen Namen einzigartig sein,
so wie auch du nicht zweimal bist.

Lass mich durch ihn erkennen, wer ich bin;
so wie ich mich selbst durch dich erkenne.

Lass die Leute in guten Gedanken
an meinen Namen erinnern;
so wie ich mich auf das verbliebene Gute der Welt
und die Allheiligkeit in dir besinne.

Lass meinen Namen so viel mehr sein
als die bloßen Buchstaben;
so wie auch du mehr bist als ein bloßer Mensch.

Lass meinen Namen in deinen Träumen erscheinen,
wie auch du Teil meines Nachtwegs bist.

Lass meinen Namen Teil deines Tagebuchs sein,
so wie du ein Teil von meinem bist.

Lass meinen Namen das einzige sein, das mir bleibt,
wenn mir alles genommen wird;
so wie auch du bis zuletzt an meiner Seite stehen wirst.

Lass es deinen Finger sein,
der den Klingelknopf neben meinem Namen drückt.
Und wenn wir uns dann gegenüberstehen –
so sprich aus meinen Namen:

Und ich gehöre dir.

Die Warnung

Wie fiel ich doch von schwerem Mute
in je erwartete Lethargie.
Fühle, dass mein Geist verblute,
erreiche nur das Ende nie.

Gehemmt an körperlichem Wohlbefinden
erstarkt in mir das Gesinnen,
mich von allem Drange fortzuwinden,
ein neues Dasein zu beginnen.

Ich wünschte mir mein einstiges Gewissen,
dass es mein Begehren spürt.
Bin vom Leben hin- und hergerissen
und von klaren Regeln längst verführt.

Doch sehe man jene Regeln nicht zu strikt;
allein Instinkt ermöglicht rechte Taten,
sofern man nicht bestechlich blickt
und in die Wirtschaftsmühle eingeraten.

Gebäre doch ein jeder aus den Resten seiner Ehre
das Gelübde, er würde nicht zum Gram sich zwängen,
dass er allein der Geschwundene wäre,
und alles Wohl an ihm alleine hängen!

Darum warne ich die mir folgenden, geplagten Seelen,
nur ihren Eifer statt ihr eines Herz zu hetzen?
Der Obrigkeit stattdessen zu befehlen;
sich dem noch so kleinstem Unterwurf
ganz gewissenlos zu widersetzen.

Verneigend und mit ernstem Blick

Wer groß sich nennt und größer brüstet,
meist weniger vereint als man erahnt.
Gerechtigkeit versäumt, nach Habsucht lüstet,
wer weder mündigt noch ermahnt.

Verblendung stiert mit forscher Kappe
einem Gesicht aus Neid hervor.
Achtung dem, der ihn ertappe,
beleide und bekehre nur.

Im Angesicht verlernter Taten
sey uns dem Stolz stattdessen
zu gemeinsamer Vernunft geraten,
die Mutter uns zu Füßen zu erretten.

Was Nähe ist und nah sich findet,
heißt uns erhellter Unverstand.
So sey es der Natur die Ehre, die uns verbindet
und ihr stilles Leiden anerkannt.

Gebannt verneige ich mich allen Wesen,
deren Einsicht dazu führt,
dass böses Treiben ausgelesen
und an Befangenheit verliert.

Denn so finster uns die Tage scheinen,
so wird die Dunkelheit ersehen,
wie uns Mut und lose Taten einen,
der falschen Welt zu widerstehen.

Zu Ehren Chaladuns

Den ich als Beobachter sehe,
und der uns im Blick behält.
Der mehr noch als über alles Leben
die Kontrolle über All und Welt.

Der im Sinne eines skrupellosen Forschers
die Zeit vernetzt und sie sich formt.
Der seinem Forscherdrang zugunsten
die Universalkonstanten für uns normt.

Der das Universum als Laborversuch
und nicht minder reaktiv befindet.
Der sich zu unserer Unlast und vergolten
aus Neugier wie ein Kinde windet.

Was tun die unnahbaren Wesen
pro ausgewählte Galaxie?
Erstreckt sich ihre Zivilisation über Sterne?
Oder verlässt sie ihre Heimat nie?
Wie empfindlich wirken einzelne Geschicke,
wenn ich sie aus den Menschen selbst
und dann aus der Ferne überblicke?

So sehr wir uns zu Autonomie befleißen,
so liegt doch alle Macht bei ihm:
Je mehr wir uns wegen Nichts bekriegen,
desto schwerer können wir uns ihm entziehen.

So bleibt nur, Chaladun zu vertrauen,
dass er nicht an einem unverhofften Tag
aus spontan erfrischtem Wissensdurst
die menschliche Dummheit auszutilgen mag.

Am alten Platz

Sitz' ich nun am rechten Fleck,
ihr ehrenwertes Lächeln aufzunehmen;
mit hoffenden Gedanken aufzufüllen
und fern, mich aus Sehnsucht totzugrämen.

Die Luft ist trüb und dick genug,
das verschwommene Bild erscheint mir vertraut.
An diese eine Gelegenheit
mitnichten und doch ihr ganz geglaubt.

Schwärme ich im kindlichen Gemüt,
naiv und blind wie ein Verliebter tut,
gereichen mir Ausdauer, Elan und Not,
jedoch bei weitem nicht der Mut.

Aufs Neue sehe ich ihr zu,
mein Geist beirrt, ihr nah zu sein.
Ich wäge mich in Wissen und Gefallen,
und fiele mir nichts anderes ein.

So strikt mein Zielen,
der Vorsatz meiner Einigkeit.
Und ist sie willig, mich anzuschauen,
bin ich zum Sterben gern bereit.

So bleibt mir nur ein gespaltenes Leben,
das weder empfohlen wird, noch Neider auf sich zieht.
Ich sehe einem Weg entgegen, der so betrauernd ist,
dass ich ihn wähle, wo ein anderer entflieht.

An dich gebunden

Dem mich umgebenden Nebel nachgesehen,
verstehe ich alsbald den Grund zu verzeihen.
Noch immer Reste meiner Liebe tief verborgen,
sie wert, beim Namen auszuschreien,
möchte ich in Frieden träumen,
den Weg eines Befreiten erleichtert gehen.
Im Wohlstand und abgelegter Erinnerung,
nicht um mich, sondern nur nach vorne sehen.

Wie kann ich mich nur sicher wähnen,
dass jeder Gedanke an dich vergessen ist?
Wenn du doch mit deinem Dasein und Bedeutung
der Ursprung meines Fantasie-erfüllten Lebens bist?
… Wenn Argwohn aus mir ausgewischt,
und die Gärung meiner Sehnsucht eingesetzt?
… Wenn du mir das eine Wesen bist,
das mir Hoffnung ist und Mut zuletzt?

Mit trübem Auge sehe ich den schwarzen Abgrund
und mein Fallen ihn ertragen heißt.
Dessen unerreichte Tiefe mir ein Leiden,
und doch zum Treueschwur gereicht.
Habe ich Gelegenheit, die Schritte nur zurückzugehen,
und zum Zeitpunkt jenes Traumes neu zu wählen;
ich hätte fraglos und im Verstoße meiner Ehre
genau die gleiche Geschichte zu erzählen.

Individuen

Starre ich in tausend leere Seelen,
die bewusst durch die Fülle mancher Orte schweben
und fernab von jedem Ziele
mir selbst einen Grund zum Zweifeln geben.

Sind unter diesen hohlen Fratzen
wirklich Geister, so wie ich mich sehe?
Führen komplexe Leben, sinnen nach Gerechtigkeit?
An Ehrgeiz reich, ihren Weg zu finden?
Dem Dasein zu entsprechen,
wie auch ich nach Gleichem strebe?

Wieso vermögen diese Unbekannten
in mir zu fruchten diese eine Frage?
Mich im Vergleich und um des Vergleichens willen
neu und ungeschönt zu bewerten wage?

Gereichen nicht mein Intellekt oder Arroganz
den Widerspruch im Keim noch zu ersticken?
Wie gerne würde ich stattdessen
der akzeptierenden und Einsamkeit entkommenden
Zuversicht mit einem Lächeln hinübernicken!

Ein halbes Jahr

Erscheint in Grau an jedem Morgen,
pfeift die Erinnerung in mir hervor:
Wie lange es doch her ist, seit ich sah
des Wandels Wesen im Geiste nur.

Verstünde ich doch nur diese eine Entbehrung,
die mich dürsten und mich brechen lässt:
der geheime Plan mich zu Demut führt
oder belohnen wird mit großem Recht?

Entsteige ich der Tiefe meines Kummers,
was erwartet mich am Kraterrand?
Das Licht der Liebe mich erneut erwärmt
oder Leere am Horizont erkannt?

Wollte ich nur in die Zukunft schauen:
Was sähe ich in jener Weite?
Die Aufgabe meines Tagewerkes
und mich aufs Sterben vorbereite?

Ich wollte nicht, dass es so käme,
wünsche ein Leben voller Taten:
Kann belehren, kann mich bilden,
mich mit gleichem Volk beraten;
stärke mich um lang zu schlafen;
bekenne, damit ich nicht entehre
und mich damit trotz Verschuldung
in Vergessenheit verliere.

So siehe, heiliges Wesen meines Glücks,
dass ein Taler ohne Gläubigen gar nichts ist.
Dass du – diesem Beispiel folgend –
meine größte Sucht von allen bist.

Die Erinnerung

Und so zeichnet sich ab,
was ich schon seit Wochen denke:
Warum ich beim Blick in den Spiegel
beschämt mein Antlitz senke.

Warum ich außer mir vor Zorn
ziellos in den Tag renne;
und nicht den Grund für mein
hilfloses Versagen kenne:

Die Beobachtung, der Schmerz, die Autarkie –
eine Kette von unerlaubten, heidnischen Trieben!
Ohne Stolz verloren, entmündigt, versagt.
Und als lächerlicher Witz zurückgeblieben.

Doch wie lächerlich ist mein Dasein?
wenn nicht gar bedingungslos an sich?
Verlebe ich die letzten Tage?
Und habe ich denn meine Träume nicht?

Tot.

Portrait einer Göttin

Wie nur fasst man jene Worte,
sie zu sinnen alleine Jahre nötig sind?
Und bei deren wohl umsorgter Andacht
mir ein Zweifel im Gehirn gerinnt?

Genießt eine Göttin das Privileg,
sich in ihrer Heiligkeit allein zu wissen?
Ist sie trotz ihres Mutes, ihrer Schönheit
(sie zu verbergen so beflissen)
nicht rechtens, sich einen Mann zu suchen?
Einen Mann, der treu an ihrer Seite lebt?
Der sie fürchtet und sie verehrt,
und erst in den Stand einer Göttin hebt?

Nun, dieser Mann bin ich.
Doch geht es hier nicht um meine Ziele:
Umringt von meiner Achtsamkeit
(deren Dasein ihr umso mehr gefiele,
je näher ich mein Wünschen bringe,
sie zu lieben, sie zu wehren)
behüte ich den Drang von Fremden,
sie ohne ihr Zutun zu verehren.

So bekommt das Leben durchaus einen Sinn:
Eine Göttin, die ihresgleichen sucht.
Und ich, ein menschlicher Behüter,
durch meine Liebe auf Ewigkeit verflucht.

Die Erkenntnis

Anders als bei anderen Menschen
neigt dein wundervolles Wesen
nicht zu Habgier oder Stolz;
eher verliebt und höchst belesen!
lieblich und mit Träumen gut vertraut,
im Grunde einer Göttin gleich,
erhalte ich täglich durch dich Stärke und

Hin und wieder einen Traum zum Beweis.
als käme mir dein Name in den Sinn,
sich in mir die Sinne drehen.
lebe ich doch unsterblich ohnehin,
bis mir die Erinnerungen an dich vergehen!
ein Liebender allein kann wissen, wie
chancenlos meine Not auch ist:
kann ich dich nur noch mehr vermissen.

Du für mich

Was bist du mir? Ich will's dir nennen,
will mich zu Hingabe und dazu bekennen,
dich mehr zu lieben, als meinen Sinnen möglich ist.
Du für mich das Leben bist.

So beschenkst du mich mit Träumen,
die mein ausgeleertes Dasein säumen.
Gibst mir die Kraft einzusehen,
nicht grundlos Selbstmord zu begehen.

Doch auch die Angst vorm Tod ist mir genommen,
Gefahren begegnen mir verschwommen;
solange mir dein Bild vor Augen,
kann ich allem trotzen und alles glauben.

So weiß ich mich stets im Schutze
vor wilden Gedanken, die mich beengen, die ich benutze.
Kann mit Stolz im Herzen sagen,
dass mir Wahn und Ehrfurcht nahe beieinanderlagen.

Doch zuletzt die Eine zählt,
die ich zur Geliebten hab' gewählt:
Du mir Richtigkeit beweist,
wenn es Lüge und Verderben heißt.

Wohin aber – führen all die schönen Worte,
mit denen ich dich stets umgebe?
Ist es ein Weg, mich ehrlicher zu fühlen,
oder ein Geständnis, das ich erwäge?

Verstehen kannst du meine Träume nicht,
vielleicht nicht einmal mein inniges Begehren.
Tod mir, solltest du mir im Gespräche
dein Gehör und mir das Wort verwehren.

Das Treffen

»Im Versehen!«, schaue ich bedrückt hernieder,
gebe leidig mein Bedauern wieder.
Hoffe aber im versteckten Reiz,
dass sie diesen Stoß zu ehren weiß.

Heuchelnd reib' ich mir den Kopf,
eifrig' kämmt sie ihren Zopf.
Im Grunde aber hat uns dieses Aufeinanderprallen
ungewöhnlich gut gefallen!

Dem einen vielleicht nur die Berührung,
– die intensivste und persönlichste Verführung!
Dem anderen die Möglichkeit zu verzeihen
und in Wahrheit Implirenz zu weihen.

Schütterlich, ungehalten, im kargen Sinn;
ich der Zufall, Wahl des Einen bin.
Kaum einander vorgestellt,
das Unglück auf sie beide fällt.
Denn erwacht dem angenehmen Traum,
sehen sich beide im eigenen Raum.
Zu wissen, einander nie begegnet zu sein,
strebt den einen an; bleibt der andere allein.

Die Seele

Wo stehe ich, wenn ich dich liebe
und mir aus sorgenvollem Wissen
allein die Fähigkeit verbliebe,
dich in schmerzenden Gedanken zu vermissen?

So träum' ich selten dein Gesicht,
es mag mir ehrlich widerfahren,
doch habe ich die Tapferkeit nicht,
dir diese Wahrheit aufzubahren.

Ich habe Sterne am nächtlichen Firmament gesehen,
den winzigen Fünkchen inmitten von Schwarz sah ich zu:
Sie alle wollten für mich zu Vergessenheit verwehen,
und waren doch weniger rätselhaft als du!

Ein Schatten, der es doch besser beschreibt,
bist du für mich in meinem ganzen Leben.
So ist es unbändige Sehnsucht, die mich treibt,
mich stets erneut in deine Nähe zu begeben.

Und während ich mit Erstaunen das ergründe,
das mir aus der Ferne verborgen ist,
so ist es Befriedigung und Ehrgefühl, das ich empfinde,
da du für mich die Stärke und das Leben bist.

Und ich frage mich in sorgenvollem Blick,
woher dein Wesen kam, wohin es wandeln wird.
Was nur zwingt dich auf den Weg zurück,
den du gehst? –
Obwohl dein liebenswertes Dasein nicht in diese Welt gehört!

Mit Erschaudern und Entsetzen knie ich vor dir, Geliebte,
kenne nicht den ganzen Segen.
Möchte nur von dir beachtet werden, Geliebte,
wünschte, du würdest deine Blicke auf mich legen,
und gleich so empfinden, wie ich dich preise,
(wage kaum über dieses Glück nachzudenken!)
dass deine Beachtung Seligkeit verheiße,
mich mit deiner Güte zu beschenken.

So höre meine stillen Worte
– Schreien möchte ich's nicht nennen –,
dass ich in mir Erwarten horte,
mich der Liebe zu dir zu bekennen.

Noch ist's so weit in keiner Weise,
auf beiden Seiten fehlt Gelegenheit.
So spreche ich auch im Fortgang leise:
Mir heilig sey mir jede Zeit,
die dich umfasst, dich besieht und dich umgarnt.
Mich zum Träumen zu bewegen fähig ist,
vor Abscheu und kummervollem Denken warnt,
mein Beisein und Gehör vergisst.

Ich bitte demütig beide Götter,
die um mich sind, mein Geschick bewachen,
sie mögen nicht sein die einzigen Spötter,
mich wegen fehlendem Erfolge zu verlachen.
Denn sicher ist – für mich das Einzige, das wahr,
mein Streben nach Beständigkeit.
Und das zu verehren, das mir täglich
den Willen nicht zu Sterben neu verleiht.

Und im wendevollem Schluss dieser Zeilen,
gedenke ich der nahen Stunden,
im Traume kann ich bei dir verweilen,
diesen einen Weg zu dir gefunden.

Eitel

Da stand ein Mann mit forschen Worten,
wusste kaum noch Stolz zu horten;
eigensinnig und arrogant
war er auf der ganzen Welt bekannt.

Sein Lebenswerk – ein Totenschmaus,
die schwarze Seele ein tiefer Graus;
Verachtung und verbittertes Wesen
mochten in ihm gut genesen!

Wie häufig zeigten ihm der Menschheit Leiden,
was er gekonnt gewusst gehabt zu meiden:
Spöttisch und mit Infamie
passierte ihm selbst doch so was nie!

Und ging sein erbarmungsloser Tag vorüber,
war ihm nichts als Ruhe lieber –
nachzudenken und das Denken zu bereuen,
sich am Leidweg der Nachtwandelnden zu erfreuen.

Und im Traum der finsteren Nacht,
wenn schelmisch der Sturm gegen die Fenster lacht,
kommt ihm der Traum, wie es anders sey:
wenn ihm nicht die Menschheit einerlei.
Gefürchtet von dieser Fantasie
schreckt er auf und wettert gegen sie:
»Mein Geist getränkt in solchen Mist? –
Wie gut, dass es nur ein Traum gewesen ist!«

Glücklich und von allem Leiden frei,
widmet er sich morgendlicher Keiferei:
beschimpft der Arbeitenden Wegsamkeit,
belächelt ihrer Leben Nutzlosigkeit.

Doch plötzlich kommt dem Eitlen in den Sinn:
»Wer bin ich, wenn ich nicht eitel bin?
Was nur bliebe von mir über,
zöge nicht mein Spott über alle Leut' herüber?!«

Im Besinnen stellt er fest,
dass der Lebensgang und dessen Zweck,
nie aus sich selbst heraus entstehen wird,
solange man nur auf seine Stimme –
– und auch die seiner Eitelkeit hört.

Aus Freude an Gedanken

Den Sinn vergessen, den Sinn verstanden,
was ist der wahre Unterschied?
Von jedermanns Rat gelangweilt,
zu nah zum Bleiben; eitel, wenn man vor ihm flieht?

Verloren in Gedankenwüsten
wartet man auf einen mitreißenden Strom:
Zuletzt – ganz im Sinne seines Zweifels –
kommt die Lösung mit der Erfahrung schon!

So denkt man. So denkt jeder Dichter!
Und dann verliebt man sich ganz neu.
Man glaubt zu wissen, wen man kennt
und wem man inständig vertrauen soll …

Jedoch treibt das Spiel der ungezügelten
wildesten Gedankenpaare,
die Not der Sache zu vergessen
und loszulassen, bis man erfahre,
was einen kontrolliert.
Ein Trugschluss ohne Beispiel!
Denn so rätselhaft wie der Tod, so auch das Leben!
In einem Wort: an Gedankenwegen viel zu viel!

Der Garten

Wer zählt die tadellosen Stunden,
der möchte nur zu gern bekunden,
was ihn im Herzen hell erfreut,
was er am ehesten bereut.
Und ist nicht jeder Garten wie der Mensch?
Wild und ungehalten innen drin?
Nur im Gesamtbild zu ertragen
und dem Willen nach geformt ganz ohne Sinn!?
Die Licht-durchfluteten Bereiche,
das hakige Gedorn,
das weiche Moos, der nasse Farn,
im brachen Wäldchen ganz verloren,
sprechen, was der Mensch sich denkt:
ein jedes Element zum Vergehen bestimmt:
was er an seine Erfahrung bindet,
es die Natur ihm wieder nimmt.

Mein Zweifel

Ich habe Ehrfurcht vor dem Glück,
bin geneigt, mich zu verstehen,
habe weite Wege hinter mir,
die ich lief, ohne auch nur nach vorn zu sehen.
Und schaue ich zurück,
erstarre ich vor der Leere und ihrer Stille.
So wie mein Leben leer und einsam war,
so strebsam war es mein Wille!

Gleich einem vertriebenen König
– zu ehrbar für normales Leben –
ziehe ich immer weiter und werde
mich am Ende mir selbst ergeben:
Vor nichts fliehe ich,
zu nichts treibt es mich hin!
Wer nur – außer meinem eignen Zweifel –
kann mir sagen, wer ich wirklich bin?

Was ist ein Mensch ohne sein Gewissen,
und mit tot geglaubtem Spiegelbild?
Der zum Zwecke seiner groben Lüste,
seinen Geist mit Routine statt Erfahrung füllt?!

Wiegenlos und heimatlos –
so sehe ich mich an.
Und sollt' ich sterben, bevor ich Großes leiste,
hab' ich mein Leben nicht einmal vertan!
Viel mehr glaube ich, dass man mich
mit Erlösendem beschenkt,
sofern mein dunkler, aber freier Wille
auf die Liebe meines Lebens drängt.

So wie ich in die Zukunft schaue,
ist es eine Tat, die mich beschützt:
Sie schimpft sich Demut, bricht meinen Glauben,
mir aber als Sterbehilfe nützt.

Ansichtsweise

Für dich sind es Schritte auf der Erde,
für mich, so unlieb ich verlegen werde:
die gezierten Tritte, stackend, und im Lächeln wandelnd –,
davon sollen diese Verse handeln.

Für dich der Sonnenschein im Gesicht,
mit meinen Augen (sie sagen's nicht!),
ein Kuss auf die Seite deines lieben Leben,
man möge mir den Stolz vergeben.

Was dir als Gesang eines Vogels klingt,
in Wahrheit vor Ehrgefühl um Atem ringt!
In Demut sich die Natur verneigt,
und – wie ich – dir ihre Liebe zeigt.

Was dir als geschriebenes Wort erscheint,
zum Tribut aus Eifer und Kunst entkeimt,
mir Werkzeug ist, Ehrenhaftes zu betreiben,
dein Dasein, dein Empfinden zu beschreiben.

Du schaust in den Spiegel und siehst nur dich.
Manchmal gesteh' ich's, manchmal nicht,
dass mir dein Anblick heilig wär',
die Berührung ein geträumter Traum, eine possenlose Mär!

Was dir Worte an einen Menschen seien,
will ich aus Eifersucht beschreien!
Denn nur der bezeichnet sich als zahm,
der ohne Würde ging, aber mit Gleichheit kam!

Wörter, die du zu mir sprichst,
bewegen dein Befinden nicht.
Doch Worte, die ich von dir erhalten,
können mir Kummer oder Tod bereiten.

Wunsch nach Liebe

… Und sie sprach zu ihrem frommen Vater:
»Herr, lass mich nicht länger Liebe missen,
ich wünsche etwas über mich zu wissen:
Bin ich fähig, nur mich selbst zu lieben?
Oder werde ich zu jemandem hingetrieben?«

So zog das gefährlichste aller Wesen,
als wäre nie etwas anderes gewesen,
in die Welt, ihr Glück zu finden
und die Wahrheit wie einen Gürtel um sich zu binden.

Ich wünsche dieser Suchenden,
auch, wenn ihr Eifer manchmal wankt,
das Glück, die Zukunft, und das Wohl,
dass sie am Ende vielleicht zu mir gelangt!

Totgeburt

Depressionen, Aggressionen,
Wut auf unerkannten Schmerz.
Lebe ferner, sterbe näher,
wisse, dass kein loser Schmerz
dich geboren, dich erschuf.
Determinismus heißt der Weg.
So rate ich zu großer Abscheu,
die die Seele des Ganzen trägt.

Wie sinnlos scheint uns einzufallen,
wir hätten Macht und Kontrolle inne!
Ich möchte wissen, wer sich aufstellt,
falls ich tatsächlich einen Krieg beginne!
Empor strecke ich meine Hand,
niederknie ich, da ich verloren.
Doch tu' ich dies, weil ich tot gelebt?
Oder doch, weil ich schon damals tot geboren?

Schattenhaftes Träumen

In nahezu endlos vielen Nächten,
die ich damit zugebracht,
in wahllos selbstverwöhnten Worten
dir zu wünschen eine ruhige Nacht,
habe ich bekannt, was Viele scheuen,
und im Zweifeln Widersinnen:
Sein erträumtes Dasein fortzuwerfen
und ein Neues zu beginnen.

So deutlich mir die Augen schmerzen,
so derb fühl' ich, wie verliebt ich bin:
Neige mich, beständig näherkommend,
zu deinem unerfüllten Begehren hin …
Bin ich nicht Gegenstand deiner Träume,
will ich lieber gar nichts sein:
Will herabsinken auf des Teiches Grund,
und in der Finsternis ein vergessener Stein.
Bin ich im Träumen jedoch dir zugegen,
umarme und befreie mich!
Läutere die Sünden meines Lebens,
nimm' mich an die Hand, und innerlich
will ich fortan hören, was du berätst;
will wissen, wie dein Geist dich lehrt,
und in immerschöner Treue
die Gnade meines Glücks erfährt.
So will auch ich wahr erschauen,
was mich weder im Traume noch der realen Welt,
so nah am Abgrund vor dem Tode
und doch beständig am Leben hält.

Jeden Tag

Der Gaben scheu und voller Zweifel
erwache ich an jedem Tag.
Sehe, was mein Spiegel gaukelt
und ich ihn jeden Morgen aufs Neue frag':
»Wer bin ich schon um zu verkennen,
was Ehre und was Umstand heißt?
In jeder Stunde schmerzt das Erinnern
und es doch nie Lohn verheißt!«

Die Trauer, die mich im Inneren schwächt,
ist fürwahr nicht hier geboren!
Doch ganz nah ist ihre Quelle
und an Hoffnung unerreicht verloren …

Ich schaue mit Staunen den wilden Tänzen
in meinem dürstend' Geiste zu:
Was ich verlebe, wonach ich verlange …,
ist nicht Vernunft, sondern bist ständig *du*!

Die Wahrheit stört und geizt mit Freuden,
die Träume sind mein einziger Trost:
Es ist Barmherzigkeit, die jeden Tag
um meiner Willen darum lost!

»So komme ab – vom Träumen.«,
rät' mir die Stimme, die mich führt:
»Erwache jeden Morgen mit Vernunft und Mut
und es ist die Chance, die dir gebührt!«

Die Annahme

Sie atmet dieselbe Luft der gleichen planetaren Atmosphäre.
Sie wandelt auf derselben Landmasse wie ich.
Wir hatten vor Millionen Jahren den gleichen Ahnen.
Ein Feuer brennt auf ihrer Haut ebenso heiß wie auf meiner.
In der Tat nehmen wir dieselbe Farbe von ihm wahr.
Die gleiche Masse Luft drückt auf dein Haupt wie auf meines.
Sie spricht die gleiche Sprache mit denselben Akzenten.
Ein Erdbeben würden wir zur gleichen Zeit spüren.
Wir beide werden von Regen nass und Wind trocken.
Sie hört bei einem Gewitter den gleichen Donnerschrei
und sieht den gleichen Lichtblitz.
Von der gleichen Ignoranz der Menschheit
sind wir erschrocken.
Wenn sie beim Eislaufen hinfällt,
wird ihr dieselbe Körperstelle weh tun wie mir.
Halit schmeckt für sie ebenso salzig wie für mich.
Und beim Pfeffer ist es ebenso!
Dieselben Buchstaben bringt sie zu Papier, wenn sie sagen will:
»Du bist etwas Besonderes und ich liebe dich!«

Und obwohl wir so Vieles gemeinsam haben
– man könnte sogar meinen, wir seien identisch –,
ist es doch eine unlösbare Unmöglichkeit,
dass wir als liebendes Paar zusammenkommen.
Jeder für sich scheint die Liebe für sein Gegenstück
auszusenden, jedoch steht eine Wand zwischen uns,
die unbekannt heißt.

Mörderin meines Seins

Ich hebe mir die Welt hervor,
stelle Klarheit mir zutage,
erlebe was es heißt zu lieben,
und habe doch die ernste Frage,
wie es sey, falls nichts geschähe:
… Falls trotz der Angst vor bitterem Werden
ich unachtsam mich verlieben täte
und würde damit die Vergangenheit beerben!

Zu sehen, wie mein augenloses Glück,
für ewig sucht und niemals findet,
betrauert mich und sie beim Träumen,
die doch ihr unbewusstes Leben
so unklar an mich bindet.
Sie ist der Stein – geologisch lieb' ich sie –,
der mich unter Wasser zieht;
es ist nicht die Schwere ihrer Sorgen, die mich ertränkt,
… nur: dass sie mich weder kennt … noch sieht!

Der Fluch

Das Leben ähnelt dem, was man spricht,
zum Lug und Trug der einen Seite
ist es die Wahrheit, die mich bricht,
und für die ich jede Qual erleide:

Die Qual nicht zu wissen, ob man träumt.
Ob man wirklich real im Leben steht.
Ob Glückseligkeit mich säumt.
Ob mein Fluch mir je vergeht.

Was bringt die Einsicht, was bringt der Glauben?
Wenn es stets meine Sinne sind, die mich berauben?

Die Rückkehr

Habe schon so lange nicht
von schön beseelter Welt berichtet.
Und sehe schon nach wenigen Momenten,
dass sich das Chaos meines Geistes lichtet!

Das süße Lächeln, das mich tief
wie auch wonnenhaft geehrt,
mich für alle nächsten Nächte
Gehorsam und Bedenken lehrt.
Gewöhnt an unverkannte Schönheit,
belege ich mein Glück mit dir:
bekenne, dass ich dir zu Füßen liege
und jeden Dialog verlier'!

Doch nicht Mangel ist der Grund dafür:
»Liebe« ist hier das rechte Wort:
Stehe ewig und warte auf dein Kommen,
im Traum – wie auch an jedem anderen Ort.

Die Trauer wird von Glück erfüllt,
wenn ich mich dir beim Träumen offenbare.
Und trauernd, weil ich mir trotz aller Hoffnung
der Bindung Realität bewahre …

Hoffend

Habe unschätzbare Dinge gesehen,
habe gebetet und auch geflucht:
War stets der Mann, der voller Sorgen
nach der einzigen Geliebten sucht.

Gefunden hab ich aber in all den Jahren
das Leiden dieser armen Welt:
Wie wenig sie doch mir entspricht
und noch viel weniger gefällt!

So bleibt mir Träumen, und träumen will ich!
Habe nie was besser gekonnt als dies.
'Drum steckt darin auch all mein Hoffen,
mein Erwarten, auf das ich mich stets verließ.

Das Glück, das mir all die Jahre schien,
heute mich nur selten blendet.
Ist es der Moment, der dich bezeichnet,
falls du dich mir entgegenwendest,
scheint mein Glück so hell aufs Neue,
Frohsinn geht mir durch den Geist!
Ein Ereignis, das mich stets belebt
und die Liebe zu dir beweist.

Hier enden diese kurzen Verse,
habe stets an dich gedacht.
Und insgeheim mit jedem Worte
eine Sekunde mit dir verbracht!

Die lebende Nacht

Was für immer schon gegolten hat,
den Ahnen, wie auch den Neuen,
wird für jede Nacht bestehen,
und den Liebenden im Traum erfreuen:
Denn sieht er – wie ich – die Eine,
die ihn greift und fern entführt,
so ist er – eben wie auch ich –
von zärtlichstem Gefühl berührt.

Betet und glaubt er an die Liebe,
wird die Nacht ihn bald belohnen,
und lässt ihn zum Dank dem Traum zum Gruße
in seinem Wunsche innewohnen.

Seh' ich ferner die Eine stehen,
bald nah und bereit für Taten,
bin ich – so sehr ich dem entspreche –
mit Folgeleisten gut beraten.

… Und nichts lieber tue ich,
als glücklich wie ich nächtlich bin:
laufe unbescholten der Geliebten nach
und gebe mich der Wahrheit hin.

Entrissen aus dem wahren Leben,
ziehe ich das Schlafen vor:
Denn hier erwartet mich im Vertrauen,
das alle Sorgen lösend' Tor …

An die Richtige

Ich werde dir niemals durchs Haar streichen.
Werde niemals deine Wangen küssen, noch deine Lippen.
Werde dir niemals ans Ohr fassen
oder jemals den Rucksack für dich tragen dürfen.

Nie werde ich deinen Körper berühren,
niemals dich von hinten umarmen
oder von vorne.
Die Worte, die wir wechseln,
werden nie mehr als ein Standard sein;
ein Lächeln zu mir stets höflich,
niemals jedoch aufrichtig.
Dein Leben wird mir immer genauso verborgen bleiben
wie der Ursprung deiner Schönheit.

Niemals wieder wirst du mir deine Hand reichen
und mir nie eine Kuss-Hand zuwerfen.
Auf ein »Ich liebe Dich!« werde ich bei dir vergeblich warten.

Und niemals werde ich verstehen,
warum du in meinen Träumen
ganz anders bist …

Gedankenlos

Und sehe ich – fern von jedem Sternenwinkel,
die Liebe meines Herzens glühen,
stehle ich ihr nicht das Wahre
und lasse sie daher verblühen!

Wenn ich eines fernen Tages
leidensfrei beim Träumen sterbe,
gibt es nur ein einziges Wesen,
vor dem ich mich verneigen werde:

Es schwebt mir vor und mit mattem Blick,
erschaue ich die Jünge des grazilen Wesen.
Auch wenn ich dann im Sterben liege,
werde ich in mir genesen
und einen letzten Traum mir träumen,
die Augen tränen, und Glieder schmerzen.
Aber durch mein ehrenhaftes Leben
werde ich sie lieben von ganzen Herzen.

So ist es trügerisch, das sich Heilung nennt
und arglos ist mein Spott der Welt:
Letztlich und von ganzer Überzeugung,
werde ich ihr einer Held …

Unvollkommen

Ich bin unvollkommen.
Und so, wie ich über mein Leben verfüge,
ist es nicht allein die Freiheit,
mit der ich mich bewusst begnüge:
Ich sehe dieses hübsche Mädchen,
und kenne keine Steigerung dafür:
Es bleibt zu hoffen, dass ihr liebevolles Leben
mir das Ideal, und die Unversehrtheit ihr.

Wie ich sie von Herzen liebe,
so bezaubert mich auch ihr Gesicht.
Stünd' es nicht frontal auf jedem Bildnis,
so wäre es des Betrachtens nicht
wert zu sehen, was ohne sie fehlt:
und wie endlos die Schreie ins Leere hallen.
Dabei will ich doch nur in meinen Charme
zumindest ihrem Blick gefallen!

So allein ich all die Jahre war,
so werde ich noch viel einsamer sein,
falls es nicht zum Glücke kommt
und ich eines Nachts in meinem Kämmerlein
sie im Traume schweben sehe:
mit ihr spreche und an sie denke.
Gleichso, als ob ich viel zu zwecklos
meine ganze Liebe auf sie lenke!

Das Gesicht

So sage mir, ach teure Schönheit,
was ich mit Vernunft und Wissen sollte,
wenn ich dich zu stiller Stunde
im heiligen Glauben bebeten wollte!

So haltlos scheint mir mein Erflehen
und die Abstinenz zu ungesund:
Und werde ich im Leben fröhlich,
dann höre meine verliebte Kund':
Es sey dem Spiegel das Licht versagt.
Das Wasser werfe sofort zerscherte Wellen.
Dem Schreiber möge der Stift zerbrechen,
dem Töpfer sein geformter Ton überquellen,
damit all das nicht dargestellt,
das dir im lächelndem Gesichte
eingraviert und wohl bewahrt,
für meine Träume und meine Gedichte!

Zu egoistisch liegt mir an,
doch will ich nur zu deutlich sprechen:
Ich schwöre, dass du stets mir heilig,
und ich unfähig, diesen Eid zu brechen.

Über die wahre Heimat

Sehe ich ab – fern der Heimat,
fern von unschuldlosem Bedingen:
könnte mich gar wohl nur ein Sterben
zur Umkehr und zum Beirat zwingen!

Denn anders als die meisten Menschen
sehe ich nicht ab vom unheilvollen Klagen,
und würde sogar für die Liebe
die Schritte eines Narren wagen!

So ist die Zukunft – und spielt sich auf,
als wäre ihr das letzte Leid genommen.
Derweil der Umweg der heutigen Besorgtensumme,
obschon im Verborgenem oder Frommen,
den Dienst am Land zu falsch begeht,
und das Land sich selbst verwundert:
Doch der Heimatlose dem toten Lande trotzt
und erträumte Welt für sich erkundet.

Die wahre Heimat also, so meine ich,
ist nicht jene, die man verlassen musste;
sondern jene, die man stets erträumte
und in ihr seine Liebste wusste!

Die Tat begangen

Schönheit wiederzuerkennen,
erschwert nur minder jene Wahl,
der ich gern und offensichtlich
den Zuspruch für mich selbst befahl.
Um zu erreichen, das mir fern noch liegt.
Um die Augen zu schauen, die mir verschlossen.
Um den Atem zu fühlen – aus einem atemtoten Körper,
und im Versehen habe ich genossen,
dass all diese Wahrheit nur im Träumen mir gewahr:
Dass es heißt, es triebe und es zügle mich!
Wer aber wirklich will, dass etwas in Erfüllung geht:
der sey ermahnt – er füge sich.

Ist nicht ratsam, jenes Wort,
aufs Neue und Teure auszusprechen?
Im Leben stur, im Sterben frei,
doch ein Leben lang dasselbe Versprechen:
So sey zitiert, was die Natur uns rief,
und hören soll man, was gesagt:
»Es ist falsch, und überdies riskant dazu,
wenn man sich verlogen mit der Liebe plagt!«

Im Unglück möchte ich beschließen:
wenn die Einsamkeit über mich verfügt:
dann mir die Freude in der stillen Wunde
dein Lächeln ist, das mir bislang genügt.

Verzweifelt

Das Wagnis, Jenes zu verstehen,
das mich und dich in Grenzen hält,
ist bedeutsam für unser beider Leben
und vielleicht auch für den Rest der Welt.

Ich habe schon an manchen Tagen
dem Tod im Werken zugesehen:
Kann begreifen, wie sein Treiben,
aber kaum, was um ihn geschehen!

So sprech' ich laut und schreie fast,
aber treffe ich auf kein Gehör:
Vielmehr die Weisheit, die zugrunde liegt
und der ich Treue wie auch Ratschluss schwör':
Begib dich, Leben, widerwillens,
in meine Obhut, für meine Tat!
So wie ich damals vor vielen Jahren
den gesteinten Weg allein betrat:
So lange es auch her sein mag,
so deutlich zeigt sich das Erinnern:
In den Augen Angst, die Füße stumpf
und in der ganzen Brust ein Flimmern.

Als würde man um sein Leben betteln,
klopfte ich beim einzigen Wesen,
das zugleich mir Göttin, zugleich mir heilig
und in jeder Hinsicht auserlesen,
und geöffnet ward' mir die Pforte:
entscheiden würde sich mein Leben:
Ist sie redsam? Ist sie verschwiegen?
Wird sie mir endlich Antwort geben?

… Unachtsam das Detail übersprungen
weiß ich, dass ich ratlos ging.
Im Leben meinerselbst nicht sicher,
war es ein »Nein«, das ich empfing …

Umschwung

Entzündet durch reinen Sanftmut
ist es unser aller Tage,
verdammter Weg und verhasste Zeit,
gar unpässlich, falls ich im Traum besage,
dass Geschehen – einst fern von uns –
die Menschen eint und friedlich stimmt;
sie Verständnis und Gehorsam lehrt
und ihnen Aberglaube nimmt.

Das alles ist Theorie.
Und im Wesentlichen gut Gerede:
aber eben wenig hilfreich bei meinen Sorgen,
bei meiner innerlichen Fehde.
Es zanken sich Gesetz und Ordnung,
sie meinen gleich, sind doch verschieden:
und verstehen wird es nur ein Verliebter,
dessen Bedenken stets übertrieben.

Mein Elend klar und ist es fertig,
so mag man Heil vollbracht:
im Leben Zwiespruch, im Tode Argsinn,
und nur beim Träumen grenzenlose Macht!
Die Lösung ist fast einfacher,
als alle Wünsche dieser Erde:
Ich bin erst König über mein Schicksal,
wenn ich ihrer Liebe habhaft werde.

Von mir

Verklingende Gesänge, die ich –
kaum gehorcht, auch schon vergessen,
wissen nicht, wie sehr sie schmerzen
und in ihrem elenden Ermessen
die Tränen des Schreibers stets erzwingen,
bewirken, was kein Traum vollbringt:
Dass einem der Fluch genommen
und der Name wieder reinlich klingt!

Ich will gehorchen, und will verstehen,
ich will mich an Gesetze halten,
die mir beschreiben, wie ich lebe,
die mein Beten streng verwalten,
und – jung erdacht – für ewig gelten,
als seien sie mit Hass geschrieben:
fürchterlich und helfend zugleich,
und in fahlen Erinnerungen verblieben.

Das Opfer, das ich für dich bringe,
ist mir Ekel und Begehr' zu selber Zeit –
habe ich noch nicht vergessen,
was mir im Liebestaumel … Richtigkeit!

Beispiellos

Käme ich nicht ohnehin zu vermuten,
würde mein Leben rasch verbluten:
Würde es mein beispielloses Leben
in naher Zukunft nicht mehr geben.

So bin ich froh, dass außerhalb der Säle
ich mich nur mit einer letzten Frage quäle:
In den Hallen der Gelehrten eingerufen,
am Fuße der Marmor-weißen Stufen,
nah dem Feuer, das im Kamin verbrennt
und der Kamin Foyer von Bibliotheksregalen trennt:
Irgendwo dort stehe ich der Geselligkeit inmitten
und lasse um eine kluge Antwort bitten:
Doch das Klügste, das mir hervorgekommen
ist Wagnis, die trist und unbesonnen
fordert, was den Jäger ängstigt
und jedermann, der töten muss:
Im Leben herrisch über die Naturgewalten.
Im Tode den gnadenden Göttern ein Verdruss.

Aber was nun spreche ich zwischen all den Seelen?
Werden sie hören, dass mir Liebe und auch Tatkraft fehlen?
Knie ich unbeschattet und den Lasten freigelegt
ein Dasein, das nach Vergeltung strebt?
Oder werde ich Schicksal's Ruf auf mich nehmen?
Mich zu Mühe und Arbeit hinzubequemen?
Werde ich tun, was mir aufgetragen,
oder das Wagnis noch etwas weiter wagen?

Stünde jene Eine mir vorm Gesichte:
Es wäre kein Erlebnis, es wär' Geschichte!
Eine wahre Sage, die mein Leben bestimmt,
und von urauf mir alle Sorgen nimmt.
Unfähig, Worte von mir zu geben,
würde ich mich in einem zweiten Leben
endlich trauen, sie anzusprechen,
Gesetze und alle Gebote brechen.
Um der Liebe Willen? Jawohl – das sey:
hinfort die zügellose Unzucht dieser Generation:
ich gestehe ein, mir wär' es einerlei,
aber ein wenig herzlich schon.

Wie kann ich über Worte denken,
die meine Fantasie in andere Dimensionen lenken?
Wo doch die Schönste jeder Dimension
nichts weiter als meines Kopfes Illusion!

So möge man mir Gnad' erteilen
und an meiner statt verweilen,
damit ich nur einen Wunsch erfahre:
der mir heute heilig … und alle Jahre.

Die Vorsehung

In Gestalt eines Anormalen
begegne ich zu oft im Stillen,
was drückt, und was mich niederreißt,
was fordert meinen loyalen Willen,
was Habsucht und Gier in mir vereitelt,
und ruhelos mir schmerzen tut.
Was zuckt und mich erregt,
was mir in allergrößter Wut
die Seite eines Lebens zeigt,
die nicht für mich geschaffen ist.
Was trügerisch und wohlstandsfern,
die größte Sorge und böseste List …

Die Worte schrecken den Betrachter ab,
er wird verkennen, was ich sehe,
auch wenn – und dies nicht versehen's –,
ich mich an seinem Geist vergehe:
Die globale Effizienz der Würde,
die der Menschheit heut' zuteil,
ist uns wohl kaum noch ein Verstehen
und schon gar nicht allerhöchstes Heil.
Der Abstand eines weisen Lebens,
die Pein, mir Liebe zu verwehren,
wird in wenigen Jahren schon
auch noch den letzten Mensch bekehren.

Da stellt sich mir die ergründende Frage,
ob ich's lasse oder wage,
in meinem Treiben fortzufahren
oder mir gar Zeit und Kraft zu sparen.
Doch ist es wirklich Mensch-Sein, das ich will?
Ein Dasein, das vor jedem kriecht?
Und in seiner ebengroßen Abscheu
schon jetzt wie etwas Totes riecht?
Abstoßend und vor Unzucht nicht bewahrt,
hebe ich meinen Kopf empor:
Weiß, dass ich es anders kann,
anders, als jeder mir zuvor:
Die Kraft, die mir zugespielt,
mir einverleibt und mich trägt,
im Grunde ein junges Fräulein ist,
das für mich Entscheidungen bewägt:
Die Dame, die mich so betört,
mich erhellt und gütig spricht,
ist an allen Lieblichkeiten reich beschenkt,
am menschlichen Verkennen aber nicht.

Moment der Erkenntnis

Verstehe, was die weise Stunde
uns zum Teil erbringen mag:
Siehe, in dem von mir Gestelltem
die grenzenlose Liebe jeden Tag!

So scheint es einfach,
mich für Glück zu lieben.
Doch ist's – bei meinem Wesen –
nicht bei bloßem Glück geblieben.

Unfähig zu erkennen,
was *du* für mich empfindest,
ist es mir ein Leichtes zu berichten,
was mich in jeder Stunde an dich bindet:
Behaglichkeit, Treue, Sorge und auch Wut
machen meinem Dasein Mut.
Bekenntnis, Wissen und scheue Zierde
ergeben, dass ich den Verstand verliere.

Belebendes Beäug'le, das mich neckt
und im Witzeln – wie versteckt –
das Bunte meiner schwarzen Seele entlockt,
was zuvor im Innersten verbockt
auf neue Taten wartete,
nunmehr frei und unbescholten
mein Leben lenkt, stimmig spricht
und alle Schulden abgegolten.

Ich danke dir – in Liebe.

Gegebenes

Vom hemmungslosem Glück zu wissen
und in Einigkeit dabei,
ist mir die Gerechtigkeit dieser Welt
und jeder Zorn dazu recht einerlei.

Freude, die mir widerfährt,
und scheucht, als sey ich Jägers Beute,
trifft und stichelt meinen Körper,
ergänzt die gute Laune, heute,
um morgen vielleicht zu verschwinden,
auszufallen, wie graues Haar:
Bekennt die Taten, die nie geschehen,
und Ergreifendes, das niemals war.

Da stellt sich mir rasch die Frage,
ob es Sinn ergibt, wenn mir zugegen
ein Licht erscheint und tätig wird,
als sey ich im Werte bös' und verwegen!
Glaubt denn dieser Schein nicht bald,
dass der letzten Stunde Ende
der Geschichte Urpunkt, höchster Gipfel
und traurigste, bekannte Wende?

Ich sehe, wie ein Schmerz verfliegt,
habe seitdem mehr gesehen.
Nur ist seit diesem einen Moment
kaum etwas Neues dazu geschehen!
Still sitze ich stattdessen,
und warte auf die rechte Stunde,
die mich freit und mir gefällt,
und erregender ist, als jede Kunde
von der Rettung dieser armen Welt,
von Seligkeit einer jeden Seele.
Nur ist es mein Entschied, wenn ich dir in Liebe,
vom Abstrakten meinerselbst erzähle!

Für die Bestimmte

Um jetzt mal genau zu sein:
bin ich gar nicht so allein,
wie ich bislang von mir dachte,
als ich noch ersetzbare Dinge machte.

Die Einzigartigkeit in meinem Leben
konnte es nur durch dein Dasein geben,
sodass es mich ins Wundern bringt,
wie es dir mit einem Blick gelingt,
dass ich all mein Wissen und die Regeln,
die mein holpriges Gemüt ins Rechtsein pegeln,
verwerfe und mir neu bedenke,
ich handle richtig, wenn ich dir Vertrauen schenke.

Denn was nützt mir wohl der tiefste Blick
in der Wissenschaft' tristestes Geschick,
oder das weltweit gütigste Gesinnen,
wenn Übel stets von vorn beginnen?!
Da helfen weder Regeln, noch die Würde,
… es wäre bloß Geschichte, keine Hürde,
die uns zerrt und missbilligend besieht,
und im Seelenkrampfe schreit: »So flieht!«

Ein Tag zurück

Betören meine vagen Worte,
ist es Liebe, die du spürst:
Liebe, die du aus meinem Inneren,
in dein eigenes Herz entführst.

Bereitet es dir wache Nächte:
denkst du viel zu oft an mich.
Träumst du jene losen Träume,
ist es Sehnsucht sicherlich.

Schreibst du Worte, fern von mir,
küsst Papier und jede Seite,
heißt das, dass du dich erinnerst
und ich dich im Geist begleite.

Weißt du mit geschlossenen Augen,
wie ich lächle und wer ich bin;
wie ich spreche und flüstern werde,
wie ich erscheine, und bis zur letzten Zelle hin,
dir und deiner Art verfallen,
dich in Ehre und Hoffnung stets besehe,
erbete, dass deinem wundervollen Selbst
zu allen Zeiten nichts geschehe,
so weißt du auch, mit welcher Kraft ich fühle:
warum du mir das Liebste bist.
Weshalb mein Körper gänzlich bebt,
wenn du mich … in Liebe küsst.

Zum Beschreiben

Zu sehen, was mir widerstrebt,
und beängstigt mir das Leben zeigt,
ist weder ratsam, noch zweckgebunden,
nur unerfassbar und verzweigt.

Der Worte Rätsel, die es bilden,
ist für mancherlei Genuss verwegen.
So hoffe ich, dass um der tausend Worte Willen:
ich konnt' Zufriedenheit dir zu Fußen legen.

Denn das, was Worte niemals können,
ist zu bezeichnen, was man glaubt,
und uns bei jedem großen Ratschluss
der Wörterkunde Dreh' erlaubt!

So wirkt zu einfach, was ich will:
scheint es Zuneigung an sich zu sein.
Doch ist mein Streben höhersinnig
und nicht der bloße Moment allein.

Ich begehre deine feste Bindung,
deine Treue, dein Verlangen.
… Deines Lebens Teil zu werden,
unverschleiert, unbefangen.

Erhabenheit sehen

Als ich heut' im frischen Zug erwachte,
und bei mir im Versehen dachte,
wie schön es sey, nur kurz zu liegen
und über Zeit und Raum zu siegen,
sprang ein kleiner Gedankenfang
mich plötzlich aus dem Dunklen an,
und brachte mir Erinnerungen,
die mir stark und ungezwungen
das Bildnis deiner lieben Seele zeigten,
mich striffen und in ihrem Spiel
dahin gestoßen, hineingedrückt,
und an Emotionen viel zu viel.

Ich sehe, was mir verborgen war,
spüre, was nicht verborgen ist.
Weiß umso mehr, wie sehr ich liebe,
und weiß zudem, dass du es bist!
So stellt sich mir die verwegene Frage,
ob ich mich ziere oder plage,
dich im Leben meine Frau zu heißen,
und von meinen Gewohnheiten abzureißen.
Die eine Antwort, die ich kenne,
lautet, dass ich mich dein Gefährte nenne,
und furchtlos, wie es sein sollte,
nicht weniger als dein Begehren wollte.

Lieblichkeit, die dich umgibt,
und mir alles Denken raubt,
ist betörend, ist belebend
und dergestalt, als dass man glaubt,
eine Göttin selbst habe mich umsponnen,
meine Hingabe zu ihr gewonnen,
und – sofern sie mir Bedeutung schenkt,
mein ganzes Leben auf sie lenkt.

Die Beschreibung des Göttlichen

Hält mein Atmen mich doch wach,
wirkt die Schönheit deiner Augen.
Ist dein Lächeln mir zugegen,
kann ich keinen Sinnen glauben:
Ehrfurcht lässt meine Glieder schmerzen,
Schwäche unterweist mir Sorgsamkeit.
Dich nicht mit tausend Blicken zugleich zu schauen,
ist in mir das größte Leid.

Ich versuche, mich an dein Küssen zu erinnern,
stagniere aber stets an gleicher Stelle:
Noch sehe ich dich vor mir liegen,
dann: wie ich mir den Geist vergrelle,
so unfassbar ist mir das Geschehen,
dass ich eine Göttin küsste!
War es erträumt oder doch erfunden?
Frag' ich sie? Ob sie es wüsste?

Gewonnen habe ich die Macht,
dich zu halten und zu umarmen.
Verloren jene Angst davor,
ob sinnlos mein gebalz' Umgarnen.

So scheint es göttlich, dich zu kennen,
und in einem Wort mit Sinnlichkeit zu nennen.
Kommt wohl je die Zeit, in der ich lerne,
dass ich mich nie mehr von dir entferne?

In Liebe

Angstlos sehe ich die Welt,
schaue gern und viel in sie.
Ihr zu vertrauen, und doch zu trotzen,
verstand ich meinen Lebtag nie.

Nun aber steht mein Dasein außer Frage:
Ich bin und werde ewig sein.
Das Geschenk, wie erträumt zu lieben,
kam durch dein Wirken ganz allein.

Wie das leise Blätterfallen,
wie die Sonne tief am Meer,
rufe ich dich gefürchtig im Gebete an,
und verehre dich fast viel zu sehr,
als dass es mir verrückt erschiene,
nicht jede Nacht von dir zu träumen,
und statt meiner angesprochenen Gefügigkeit,
das Beten und Schlafen selbst zu säumen!

So wisse, dass stets in deiner Einsamkeit,
mein Gedanke dich erweckt
und als liebliche Erinnerung
dein Begehren aufs Neue neckt.

Ich wünsche, dass meine Worte dich erreichen,
du bestätigst und bezaubert bist.
… Weißt, wie viel du mir bedeutest
und es mir ehrenhaft, dich zu lieben, ist.

Händespiel

So sey das seichte Hände-Ränkeln
als liebesgleicher Akt erwähnt:
Er lässt mich leben, lässt mich sehnen,
es ist Liebe, die mich lähmt!

Ich weiß, dass keine teure Stunde
mir jenen Moment ersetzen kann:
Wäre ich doch ohne dein sanftes Wohlgefallen
nur ein ganz normaler Mann …

Die Zärtlichkeit, die ich durch dich vernehme,
lässt nur einen vieler Schlüsse zu:
Es ist kein Gnaden, den ich erhalte:
Es ist Liebe. Es bist du!

Die Repression zum Gedenken

Ich lenke meinen fiesen Zorn
auf ein wohlbekanntes Ziel.
Es wäre gar nicht mal fälschlich anzunehmen,
dass selbst der kleine Ärger ihm zu viel,
den ich im Zorn zu erwischen versuche;
und daher ich es bin, der mit gewaltiger Kraft
die Einigung trennt, die Grenzen löst,
und damit neue Zweifel schafft.

Doch bin ich deshalb Zweifler oder Visionär?
Bin ich geknechtet oder frei wie du?
Ist es Wahnsinn, der mich leitet,
oder ausnutzt immerzu?
Ist es Höflichkeit um mich herum,
wenn Tadel und Unmut auf mir liegen?
Oder ärgerlich und einfach dumm,
wenn Bauern Erbsen gegen edle Steine wiegen?

Ich sehe, wohin die Krone rollt,
und verfolge ihren ungewissen Lauf.
Für so manchen, der den Göttern huldigt,
stellt sich aber alsbald heraus,
wie unsicher und wahllos ihr Rollen ist:
Kaum bemerkt, dass sie schon ruht,
und in einer fast absurden Weise
ist ihr unbestimmtes Treiben gut.

Die Liegende

Es gleicht viel eher dem vagen Ton,
dass Edelmut nicht großer Lohn,
sondern fern aller Welten schwebt
und im Nachhinein des jeden Glück verwebt.

So ist es an der Zeit zuzugeben,
dass auch welche außerhalb der Welten leben,
und über alle Geschicke wachen,
indem sie sich – fern allen Mitteln –
mit Lieblichkeit bemerkbar machen.

Ich bin nicht Träger jener Schuld,
doch weiß ich sehr genau zu berichten,
dass sich in einer unserer nahen Nächte
ein Gedankenweg sich wird lichten.

Denn die, die mir eine Göttin ist,
ist für andere nur ein Tolerant.
Doch in meinem Wesen zu begreifen,
hab ich allein viel mehr erkannt:
Die Lieblichkeit, die sie durchfließt,
… Über die Heiligkeit, die aus ihr sprießt,
ließen sich ewige Bände schreiben –
und sie … würde bis in alle Zeiten
ihr einziger, würdiger Inhalt bleiben!

Wie auf einem Altar sehe ich die Frau,
bereit, sich eigenem Opfer preiszugeben,
um diesen müden Scheiß-Planeten
erneut mit ihrem Segen zu beleben!

Die Liegende: mir ein stilles Ebenbild,
voller Zaghaftigkeit und Tränen:
So komme ich nicht ohnehin, mit großem Mut
die Geschichte unserer Einsamkeit zu erwähnen.

Es war in einer kalten Nacht,
so kalt, dass selbst die Bäume froren,
und deren Knospen, noch nicht gebildet,
in ihrem Urwuchs schon vergoren.

Ich lag mit ihr – der einen gar –
auf einer matten Winterwiese,
und wusste, dass wenn uns nicht
die Natur etwas Wärme zukommen ließe,
wir erfrieren und verderben müssten,
wir die unsinnigsten Tode stürben.
Denn ihr Hass aufs Menschsein schien so groß,
als wollte sie die ganze Welt zermürben.

Eis fiel vom Himmel, die Wolken froren ein.
Würde das, so nah wir es spürten,
unser beider Ende sein?

Ich schlug vor, uns neu zu setzen:
aufeinander, mit gekreuzten Beinen.
So konnte die Nacht um uns herum gefrieren,
und der Himmel Eis auf uns herniederweinen,
ohne dass es uns viel störte:
Denn die Wärme lag jetzt zwischen uns:
Konzentriert in unserer Mitte,
wo kein Winter sie aus unseren Körpern duns.

Das Wichtige aber ist hierbei,
dass ich und »die Liegende«,
uns zuvor nicht mehr als vom Namen kannten,
und dennoch uns Vertraute nannten!

Die Lieblichkeit, die uns durchfloss,
war nun nicht mehr Wärme nur,
sondern die Heilung der inneren Wunden,
und zwischen den kalt gefrorenen Lippen unserer Küsse,
ihre bedingungslose Kommissur.

Warum nun aber »die Liegende«?
Heißt sie so, weil sie mir unterlag?
(Aber ich genauso unterwürfig war
an diesem bitterkalten Tag!)

Die Wahrheit klingt recht einfach
in Anbetracht der letzten Momente.
So war es, dass ihr warmer Körper
mir nie zuvor so Heiliges schenkte!

Wäre es nicht so gewesen,
wären wir gar umgekommen,
hätten uns sehr rasch
wie zwei Sterbende benommen!
Und wären als zwei steife Körper
jetzt endlich tot ins Liegende gegangen.
Ausgebrannt und ohne Liebe
und mit nie berührten Wangen.