Gedichte (2018)

Zeitmaschine

Zurückversetzt mit dem Gedanken,

ich ging zur Schule und im Wesen jung,

was wollte ich mit Eifer zanken!,

ein Ungestüm der Erinnerung.

 

Und dort, im Trugbild meines Glücks,

ein mir besonderes Wesen wandelt –

ihr Anblick mich fürchtet wie entzückt,

es sich allein um die Eine handelt.

 

Von keinem Unterschied war meine Liebe,

sie zu verkennen eine Qual.

Im Sinn der Wahrheit mir verbliebe,

das kaum verstanden, im Herzen schal.

 

Sehnsucht bebt durch meine Tarnung,

leichtfertig scheint mein Auf­begehren:

Ist mir das Schmachten eine Warnung?

Wer sollte es mir denn verwehren?

 

Ich wag’ mich vor, um sie zu schauen,

eine Schönheit, die ich nie bemerkt.

Ihr Abbild brennt sich mir ins Auge,

und für immer sehe ich das Werk.

 

Ob sie mich je gesehen habe?,

frag’ ich ungeniert und mit Bedacht.

Dass ich mich an ihrem Lächeln labe,

und ob sie wisse, was es mit mir macht.

 

Verlegen und mit Mut gibt sie mir an,

mein Schmeicheln ihr zu Ruhm gereiche,

doch, an was sie kennt bemessen,

sie ein Gefühl von Trug beschleiche.

 

Ich sterbe, ehe sie zuende spricht,

benenne nun mein wahres Leiden –

dass sie mir Herz und Seele bricht,

sie auf Ewigkeit zu meiden.

 

Falsch fühlt es sich an, doch wahr erst recht:

mein Lieben mir dies nun bewies.

Es war mir wichtig, es tat mir schlecht,

zurück kehre ich in mein Verlies.

Im Kerzenlicht

Abseits aller Wege bin ich vergessen,

lebe und bedürfe kaum.

Will mit Tapferkeit bemessen,

ob mein Dasein bloß ein Traum.

 

Ohne dass der Liebe Blick uns trenne,

mir alsbald ergeben scheint,

so ich unser Glück beim Namen nenne,

mein Stolz aus Unvermögen weint.

 

Und belebt mich denn nicht deine Nähe,

als sey ich nie als Mensch geboren?

Nun, da ich meiner Taten Sinn verstehe,

die Sinne selbst an dich verloren!

 

Nimm' nur, was du gütig hältst,

und lasse mir den freien Willen,

ich beuge, wenn es dir gefällt,

und weiß dir Trieb und Sucht zu stillen.

 

Von außerordentlicher Eleganz,

in Hingabe und Begehr' geeint,

von Tugendhaftigkeit befand,

was ich bejahe, du verneinst.