Gedichte (2018)

Die Gottheit

Hieße dieser Planet mir Eliab,

Eliabische Gottheit wär' dein Name.

Bestimmte mir die Furcht vor Segen,

entkommene Demut mich rastlos lässt.

 

Wo immer ich dein Erscheinen ahne,

und ist es nur ein Traum von dir,

unterwürfig ich mir gefalle,

von Ergebenheit benetzt.

 

Einem Gott zu frönen – wie leicht,

wenn er Jünger und Geschichte hat!

Zum Unterschied, verehrte Gottheit,

es dir an Name und Bekanntheit fehlt.

 

Nie vergessen, da unbekannt,

du dich mir als einzigen offenbarst,

von Sinnen mir das Leben ward,

erdrückt, bewusst; im Tode frei.

 

Bewahre, was dich bestimmt,

wandle weiter unentdeckt, mit Menschenmaske.

Zeig' dich dem, der willens ist,

sein Leben mit dem Tod zu tauschen.

 

Sprich in Träumen immerdar,

maßregle die Vernunft.

Sey die Hoffnung der Sterbenden,

und die der jung Verliebten.

 

Und sey auch meine Hoffnung,

Urpunkt meines Glaubens.

Ich will vertrauen, was ich mich lehre,

auf dass es auch dir ein Vorbild sey.

Zeitmaschine

Zurückversetzt mit dem Gedanken,

ich ging zur Schule und im Wesen jung,

was wollte ich mit Eifer zanken!,

ein Ungestüm der Erinnerung.

 

Und dort, im Trugbild meines Glücks,

ein mir besonderes Wesen wandelt –

ihr Anblick mich fürchtet wie entzückt,

es sich allein um die Eine handelt.

 

Von keinem Unterschied war meine Liebe,

sie zu verkennen eine Qual.

Im Sinn der Wahrheit mir verbliebe,

das kaum verstanden, im Herzen schal.

 

Sehnsucht bebt durch meine Tarnung,

leichtfertig scheint mein Auf­begehren:

Ist mir das Schmachten eine Warnung?

Wer sollte es mir denn verwehren?

 

Ich wag’ mich vor, um sie zu schauen,

eine Schönheit, die ich nie bemerkt.

Ihr Abbild brennt sich mir ins Auge,

und für immer sehe ich das Werk.

 

Ob sie mich je gesehen habe?,

frag’ ich ungeniert und mit Bedacht.

Dass ich mich an ihrem Lächeln labe,

und ob sie wisse, was es mit mir macht.

 

Verlegen und mit Mut gibt sie mir an,

mein Schmeicheln ihr zu Ruhm gereiche,

doch, an was sie kennt bemessen,

sie ein Gefühl von Trug beschleiche.

 

Ich sterbe, ehe sie zuende spricht,

benenne nun mein wahres Leiden –

dass sie mir Herz und Seele bricht,

sie auf Ewigkeit zu meiden.

 

Falsch fühlt es sich an, doch wahr erst recht:

mein Lieben mir dies nun bewies.

Es war mir wichtig, es tat mir schlecht,

zurück kehre ich in mein Verlies.

Im Kerzenlicht

Abseits aller Wege bin ich vergessen,

lebe und bedürfe kaum.

Will mit Tapferkeit bemessen,

ob mein Dasein bloß ein Traum.

 

Ohne dass der Liebe Blick uns trenne,

mir alsbald ergeben scheint,

so ich unser Glück beim Namen nenne,

mein Stolz aus Unvermögen weint.

 

Und belebt mich denn nicht deine Nähe,

als sey ich nie als Mensch geboren?

Nun, da ich meiner Taten Sinn verstehe,

die Sinne selbst an dich verloren!

 

Nimm' nur, was du gütig hältst,

und lasse mir den freien Willen,

ich beuge, wenn es dir gefällt,

und weiß dir Trieb und Sucht zu stillen.

 

Von außerordentlicher Eleganz,

in Hingabe und Begehr' geeint,

von Tugendhaftigkeit befand,

was ich bejahe, du verneinst.