Buch-Empfehlungen für LaTeX

In diesem Beitrag sollen einige Bücher zum Thema LaTeX vorgestellt werden, die ich selbst gelesen habe. Auf elektronische Handbücher im Internet (Einführung in LaTeX usw.) wird hier verzichtet. Die Frage ist natürlich immer, wieso man überhaupt ein Buch mit LaTeX-Kniffen braucht, wenn man das meiste sowieso im Internet findet. Nun, möglicherweise haben die einen kein Internet, andere lernen aus einem Buch lieber als über Websiten. Fakt ist, dass zu 90% der Inhalt solcher Bücher, die vom Titel her eine Einführung zu LaTeX geben, auch im Internet zu finden ist.

»Der LaTeX-Begleiter, 2. Auflage«

Etwas teuer, aber sinnvoll strukturiert und vollgestopft mit hilfreichen Tipps für Anfänger wie auch für Profis. Jedes nur denkbare LaTeX-Thema wird behandelt. Sehr interessant ist auch das eigene Kapitel über LaTeX-Fehlermeldungen und deren Deutung. Kostet etwa 40 Gold.

»LaTeX – Einführung in das Textsatzsystem, 9. Auflage

Mein persönlicher Favorit! Im Grunde ein A4-Heft mit rund 300 Seiten, das man über das RRZN (Regionales Rechenzentrum für Niedersachsen) der Uni Hannover bzw. seine eigene Uni beziehen kann. Zum Inhalt: zahlreiche Kapitel über alle LaTeX-relevanten Bereiche (Struktur, Kommandos, Formatierung, Literaturverwaltung, Vorlagen, Inhaltsverzeichnisse, Tabellen, Bilder (auch Tikz), Präsentationen usw.), die sich weitgehend (wie der Titel vermuten lässt) an Einsteiger richten. Allerdings werden dermaßen gute Beispiele gebracht, dass selbst ein Fortgeschrittener hier noch was lernen kann. Ich sage dazu: Muss gekauft werden, allein schon für den Preis! Kostete mich in der 9. Auflage 6,00 Gold (!).

»LaTeX – Der typographische Einstieg«

Sehr umfangreich und mit akzeptablen Beispielen. Mit Ausnahme der unterhaltsamen (aber ausnahmslos ausschmückenden und überflüssigen) Anekdoten enthält dieses Buch keine Informationen, die man nicht auch sonst wo im Internet auf kostenlosen Info-Seiten finden würde. Nur gedacht für Leute, die zuviel Geld haben und lieber im Sessel als am Bildschirm lesen. Preis: ca. 40 Gold.

»Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTeX – Leitfaden für Einsteiger«

Finger weg! Dieses Buch hat nichts mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun, der Titel sollte stattdessen heißen: »LaTeX – Leitfaden für Einsteiger«. Man könnte ja erwarten, dass es sich um ein LaTeX-Buch handelt, das sich dem Titel nach wenigstens auf Aspekte konzentriert, die für den Studenten oder generell Wissenschaftler wichtig sind. Stattdessen ist dieses Buch nicht mehr als eine generelle Standard-Einführung in LaTeX, wie es sie in tausend anderen Büchern und im Internet sowieso kostenlos gibt. Angefangen von »Was ist LaTeX?« über eine Definition der MikTeX-Distribution, bis hin zu figure- und table-Umgebungen, BibTeX-Basics, Formatierungskram, wie man mathematische Formeln setzt, Objekte verlinkt und anderer Schnullikram, den man bei jeder beliebigen Internetsuche sofort nachschlagen kann. Indes sind selbst die dargestellten Angaben manchmal ungenau oder schlicht falsch:

 

Was soll die Beschreibung des Befehls \emph{ } für Hervorhebungen in einem Buch »Wissenschaftliches Arbeiten … usw.«, wo man erwartet, dass über das absolute Grundlagenwissen hinausgegangen wird? Es bleibt unerwähnt, warum \emph{ } eigentlich was ganz anderes ist als die Auszeichnung mit \textit{ }, wo doch beide Befehle offensichtlich zu einer bloßen Kursiv-Stellung des betreffenden Wortes führen. (Lösung: Stehen mit \emph{ }-gekennzeichnete Wörter in einem Textabschnitt, der generell kursiv ist, werden diese Wörter wieder geradegestellt, damit sie immer noch abgehoben sind!)

 

Ich rate jedem von diesem absoluten Grundlagen-Buch ab. Es ist Lektüre für Leute, die noch niemals einen Texteditor angefasst haben und unbedingt in gedruckter Form lesen wollen, mit welchem Befehl man seine Schrift vergrößert, einen Rechtspfeil erzeugt, mit TikZ abgefahrene Vektorlinien zeichnet (macht ein Anfänger sowieso nicht!), eine Listenumgebung anlegt oder wann der Gedankenstrich angewendet wird. Meiner Meinung nach hat das alles in einem so betitelten Buch nichts zu suchen und grenzt an Käufer-Täuschung.

 

Zur Verteidung sei gesagt, dass für wissenschaftliche Arbeiten wirklich wichtige Besonderheiten auch angeschnitten werden, z.B. die abstract-Umgebung oder den \thanks-Befehl, um auf dem Titelblatt seiner Arbeit die Autorennamen mit einer Fußnote zu versehen, die Organisation/Uni enthält. Aber wo sind die Infos, die man sich wünscht und vorstellt, wenn man das Buch kauft? Beispielsweise eine sehr ausführliche Auflistung aller möglichen Zitierstile mit natbib oder gegebenenfalls Internetlinks, wo man diese suchen und vergleichen kann? Notfalls auch Informationen, wie man seinen fast perfekten Zitierstil noch selbst etwas modifizieren kann? Was ist mit fachrichtungsspezifischen Informationen, beispielsweise den Unterschieden von medizinischen und jurawissenschaftlichen Arbeiten? [→ ich meine z.B. bei Jura-Arbeiten ist die (fiktive) Vorlage, Kapitel im Anhang des Dokuments nicht zu nummerieren, sodass man die Empfehlung aussprechen könnte, den \backmatter-Befehl der book-Umgebung zu nutzen u.a.]

 

Was ist mit der im Buch empfohlenen Vorgehensweise, sein Dokument in tausend Einzeldateien mit jeweils einem Kapitel zu splitten und in einem Hauptdokument wieder zusammenzuführen? Auf mich wirkt das nachgeplappert, und nicht erprobt. Denn die Erfahrung, vor allem meine eigene, zeigt, dass dies zu einer unkontrollierbaren Unübersichtlichkeit führt, das Suchen gleicher Strings oder das Auffinden von Fehlerangaben in mehreren Dateien nur noch mehr Zeit erfordert und Abschnitte gelöscht werden könnten, ohne dass man sie vermisst.

 

Weiterhin fahrlässig ist die Empfehlung einer »Versionverwaltungs-Software« beim Schreiben längerer Texte, weil es angeblich so schwierig sein soll, seine Dokumente mit einer Datums-ähnlichen Signatur zu versehen. (Wo ist das Problem, seinen Projekt-Ordner mit einer beliebigen Komprimierungs-Software in eine Datei zu packen und den Dateinamen wie »Projekt_31-12-2010« festzulegen?). Versionierungssoftware hat schon seine Daseinsberechtigung, aber wird meistens nur bei Software-Programmierung und zur Koordination mit mehreren Redaktoren/Programmierern verwendet.

 

Weiterhin fehlen Informationen darüber, warum bei Verwendung mancher Zitierstile Großbuchstaben automatisch in Kleinbuchstaben umgewandelt werden, und wie man diesem Effekt entgegenwirken könnte. Warum wird nicht das für Naturwissenschaftler unentbehrliche isotope-Paket erwähnt? Wieso wird nicht darauf verwiesen, auch gleich seinen Lebenslauf mit LaTeX zu machen? Dieses Buch enthält keine Informationen, die sich nicht auch mit Leichtigkeit im Internet finden lassen würden. Preis: ca. 20 Gold

LaTeX – Band 1: Einführung

Der erst wenige Jahre alte Dreiteiler von Helmut Kopka zum Thema LaTeX gilt schon heute als Klassiker und ist entsprechend schwierig in Buchshops aufzutreiben, gegebenfalls nur noch im Antiquariat. (Warum manche Verlage derartig beliebte Bücher nicht mehr nachdrucken, werde ich nie verstehen.) In dieser Buchvorstellung werde ich zunächst nur den rund 520 Seiten starken ersten Band mit dem einfachen Untertitel »Einführung« vorstellen. Wer jetzt aber glaubt, der Band richtet sich nur an absolute Anfänger, täuscht sich. Tatsächlich würde ich das Buch eher schon eingearbeiteten LaTeXern empfehlen, für Einsteiger gibt es da andere Bücher.

 

Das Buch ist erstaunlich ausführlich zu jedem nur erdenklichen LaTeX-Thema, seien es die Vorstellung der Dokumentklassen, Umgebungen, Formatierungen, Schriftarten, Sonderzeichen, Seitenlayout, Tabellen, Zeichensatz-Codierungen, Formelsatz, Bilder, Anlage benutzereigener Zähler und Umgebungen sowie Fehlerlog-Beschreibungen. Weiterführende Einblicke geben Geschichtliches zu LaTeX, Beschreibungen, wie man eine eigene Briefvorlage designt oder mit Literaturdatenbanken umgeht. Der Autor wird dabei nie zu oberflächlich, sondern stellt zu den Grundbefehlen auch Varianten sowie Alternativen vor, was insgesamt einen ziemlich guten Einblick in die LaTeX-Vorgehensweise gibt (Prinzip: »alles ist möglich, einfach ausprobieren!«). Beispiele dafür sind die Beschreibung mehrerer Vorgehensweisen, um Tabellen oder Initiale zu erzeugen.

 

Zu jedem Kapitel werden Hausaufgaben vorgegeben, die den Benutzer animieren sollen, gestellte Aufgaben selbstständig mit LaTeX-Code umzusetzen (z.B. Vorgabe einer komplexen Formel/Zeichnung, die dann selbstständig mit dem Gelernten aus dem vorherigen Kapitel erstellt werden soll). Die Lösungen dazu sowie eine TeX-Distribution liegen auf einer Buch-CD bei, obwohl die TeX-Distribution längst veraltet ist und man besser bedient ist, wenn man sich die aktuelle MikTeX oder TeXLive-Distribution aus dem Internet installiert.

 

Nun fragt man sich: Wenn doch jedes erdenkliche Thema bereits in diesem Band abgehandelt wird, was wird dann in Band 2 und 3 gezeigt? Nun, niemand wird jemals alles von LaTeX wissen und wie es so schön heißt: Nur die Fantasie wirkt begrenzend.

 

In Band 2 nun wird auf viele Erweiterungspakete eingegangen, z.B. wie man Musiknoten fabriziert oder mit LaTeX-Code coole wissenschaftliche Zeichnungen hinbekommt.

 

Band 3 richtet sich dann wirklich an die Profis, denn hier werden die Eigenheiten des Dokumentklassen- und Stildateien-Codes aufgeführt, sodass man lernt, seine eigenen Dokumentklassen (und alles was dazu gehört) zusammenzusetzen.

 

Ich fasse zusammen: Band 1 ist eigentlich Pflicht, da auch gut als flinkes Nachschlagewerk geeignet und nicht – wie viele andere Bücher – schnell ausgelesen ist und niemals wieder hervorgeholt wird. Band 2 eigenet sich für die, die Spezialprobleme mit LaTeX lösen wollen, was über das LaTeX-Grundwissen hinausgeht (spezielle Schriftarten benutzen, erweiterter Formelsatz, wie man Schach- und Backgammon-Stellungen dokumentiert ;) , wie gesagt Musiknotensatz oder die Anwendung von Metafont). Band 3 ist für solche, die eigene LaTeX-Vorgabe-Klassen erstellen wollen (Brief- und sonstige Dokumentvorlagen) oder Einblicke in die TeX-Dateistruktur und andere für TeX-Administratoren interessante Dinge.

 

Band 1 kostet – etwa wie die anderen – rund 40 Gold.