Schrift und Beschriftung im Kartendesign

Die richtige Kartenschrift

Zahllose Schriftarten eignen sich für kartografische Beschriftungen. Für Arbeiten am Bildschirm sind, wie so oft, serifenlose Schriften im Vorteil. Die ausgewählte Schrift sollte möglichst auch einen gestauchten (condensed) Schnitt mitbringen. Verschiedene Gewichte (Mager, Fett, Sehr Fett etc.) sind dagegen weniger wichtig.

Uneingeschränkt empfehlenswert ist die Schriftart Noto Sans. Venus und Römisch waren früher beliebte Karten-Schriftarten. Andere Schriften wie Tierra Nueva imitieren das Flair von historischen Seekarten. Die Univers wird auch heute noch gerne für Karten verwendet (große Anzahl an Gewichten und Schnitten). Die Cisalpin ist eine speziell für kartografische Anforderungen gestaltete Schriftart, die auch in winzigen Schriftgrößen lesbar bleibt.

Einige Grundregeln

  • Wenn möglich, auf maximal drei Schriftgrade beschränken.
  • Zwischen den Schriftgraden sollten wenigstens 2 Stufen liegen.
  • Versalsatz sollte immer etwas gesperrt werden.
  • Für Gewässer-Beschriftungen (Seen, Flüsse) wird immer wieder eine Antiqua-Schriftart empfohlen. Ich stimme dem zu und erweitere die Regel auf alle geografischen Kategorien (Berggipfel etc.). Die Schriftfarbe sollte dann die Farbe des Objekts annehmen, d.h. Blau für Seen, Braun für Berge etc.
  • Gegebenenfalls sollte man das Puffern der Beschriftungen nicht vergessen (Layer-Eigenschaften | Beschriftungen | Puffer), damit sie bei Konflikt mit dahinterliegenden Geometrien besser sichtbar werden.

Maßstabsabhängige Sichtbarkeit von Beschriftungen

Das maßstabsabhängige Zeichnen der Beschriftungen sollte man sorgfältig prüfen. Damit ist gemeint, dass normalerweise alle Beschriftungen eines Layers angezeigt werden, egal mit welchem Maßstab man die Karte betrachtet. Das ist in vielen Fällen zu viel des Guten.

Bei einem Maßstab von 1:25 Millionen muss man noch keine Ländernamen lesen können.

Mit dieser Einstellung werden Beschriftungen erst ab einem Maßstab von 1:2,5 Millionen eingeblendet. Das schafft Übersicht.

Mehrzeilige Beschriftungen

Die Beschriftung von Geometrien gehört im GIS zu den Standard-Aufgaben. Doch wie kann man lange Beschriftungen besser darstellen, am besten mit Zeilenumbruch?

Abbildung 1
Abbildung 1

Abbildung 1 zeigt die Ausgangssituation: Vier fiktive Bohrpunkte, an denen eine vergleichsweise lange Beschriftung angebracht ist. Sinnvoll wäre hier der Umbruch an einem bestimmten Zeichen, beispielsweise am Leerzeichen.

Abbildung 2
Abbildung 2

Hierfür öffnen wir den Beschriftungsdialog in den Layereigenschaften (Abb. 2). Im Abschnitt Formatierung (mittlere Spalte) wird rechts der Abschnitt "Mehrzeilig" gesucht und im Feld "Bei Zeichen umbrechen" ein Leerzeichen eingetragen (Abb. 2, roter Kreis). Eine Zeile tiefer könnte man auch einen automatischen Umbruch nach einer bestimmten Zeichenzahl erzwingen.

Abbildung 3
Abbildung 3

Das Ergebnis ist schon übersichtlicher (Abb. 3).

Darstellung zusätzlicher Informationen aus anderen Feldern

Nun wäre es doch schön, wenn wir auch noch die hinterlegte Endteufe jeder Bohrung (vgl. Abb. 1) als 4. Zeile unter die Beschriftung bekommen.

Abbildung 4
Abbildung 4

Hier für wird wieder der Beschriftungsdialog in den Layer-Eigenschaften geöffnet, aber diesmal der Ausdrucksdialog gestartet (Abb. 4, roter Kreis).

Abbildung 5
Abbildung 5

Um einem Beschriftungsfeld weitere Infos anzuhängen, wird die Doppel-Pipe || verwendet. Das Kommando '\n' erzeugt eine neue Zeile. Hierfür können auch die Buttons genutzt werden (Abb. 5, rote Kreise). Anschließend wird das 2. Beschriftungsfeld mit doppelten Anführungszeichen angehängt. Das komplette Kommando zeigt Abb. 5. In der Vorschau (Abb. 5, blauer Kreis) sieht das schon ganz brauchbar aus.

Nun hätte ich gerne noch, dass vor der Zahl das Wort "Endteufe" steht, und dahinter die Einheit "m".

Abbildung 6
Abbildung 6

Dazu wird die Kommandokette um Textbausteine erweitert, die mit einem einfachen Anführungszeichen eingefasst werden. Alle Einzelteile (Textbausteine und Felder) müssen mit der Doppel-Pipe getrennt werden (vgl. Abb. 6)! Man vergesse auch nicht die notwendigen Leerzeichen: einmal NACH dem Textbaustein "Endteufe" und einmal VOR dem Textbaustein "m"!

Abbildung 7
Abbildung 7

Das Ergebnis ist zwar wie bestellt (Abb. 7), aber doch nicht richtig. Denn die Trennung am Leerzeichen zerpflückt alle Bestandteile und verschiebt sie in jeweils einzelne Zeilen. Ich habe die mehrzeilige Trennung daher so eingestellt, dass sie nicht am Leerzeichen trennt, sondern nach 15 Zeichen (vgl. Abb. 2).

Abbildung 8
Abbildung 8

Das Trennzeichen (Leerzeichen, Bindestrich oder gar ein Wort) hängen stark vom Anwendungsfall ab. Wer besonders schlau formatieren will, könnte in der Attributtabelle die gewünschten Trennstellen mit einem Sonderzeichen (z.B. Asterisk*) vorgeben und genau an diesem Zeichen trennen lassen (Abb. 8).

Führungslinien und manuelle Platzierung von Beschriftungen

Manchmal kommt man in die Verlegenheit, dass die Beschriftung nicht dort erscheint, wo man sie gerne hätte. Beschriftungen werden unter QGIS zwar immer recht vernünftig platziert, und ihre Position lässt sich durch zahlreiche Optionen steuern. Manchmal passt es aber doch nicht.

Abbildung 9
Abbildung 9

Abbildung 9 zeigt ein Beispiel für eine zweckmäßige Beschriftung. Aufgrund des Platzmangels werden für 5 Punkte nur 4 Beschriftungen platziert. Das ist soweit in Ordnung, da die Beschriftung automatisch dorthin gesetzt wird, wo am meisten Platz ist. Selbstverständlich werden alle Beschriftungen angezeigt, wenn man näher hereinzoomt (also den Maßstab ändert) und sich die Punkte weiter voneinander entfernen. Aber genau das ist manchmal nicht gewünscht: Für dieses Beispiel sollen der gegenwärtige Maßstab beibehalten und trotzdem alle Beschriftungen angezeigt werden.

Eine Möglichkeit wäre, die Punkte und/oder die Schriftgröße zu verkleinern. Vielleicht wird dann alles angezeigt, vielleicht auch nicht. Stattdessen wollen wir hier versuchen, die Beschriftungen weiter von den Punkten zu entfernen und mit Linien zu verbinden, damit der Zusammenhang nicht verloren geht.

Abbildung 10
Abbildung 10

Zunächst einmal wird die Beschriftungsplatzierung "kartographisch" eingestellt. Das ermöglicht uns gleichzeitig, die gewünschte Entfernung festzulegen (hier 10 mm, siehe Abb. 10). Anstelle der Maßeinheit "mm" sind manchmal auch "Karteneinheiten" sinnvoll.

Abbildung 11
Abbildung 11

Anschließend wechseln wir auf den Reiter "Führungslinien" und aktivieren diese (Abb. 11).

Abbildung 12
Abbildung 12

Das Ergebnis sieht einigermaßen brauchbar aus (Abb. 12): Zumindest sind jetzt alle Punkte beschriftet und mit einer Linie verbunden. Aber irgendwie gehen die Linien noch kreuz und quer. Von nun an wollen wir Beschriftungsboxen manuell platzieren. Als nächstes wird, falls nicht geschehen, die sog. Beschriftungswerkzeugleiste eingeblendet (Abb. 12).  Einer der Buttons erlaubt das manuelle Verschieben von Beschriftungsboxen (Abb. 12, roter Kreis).

Abbildung 13
Abbildung 13

Bevor es losgeht, muss ein Feld bestimmt werden, über das die geänderte Position der Beschriftungsbox mit dem eigentlichen Feldinhalt verknüpft wird. Das Feld "fid" (feature ID) ist sinnvoll (Abb. 13).

Abbildung 14
Abbildung 14

Anschließend kann jede einzelne Beschriftungsbox per Mausklick angewählt und auf eine neue Position versetzt werden. Abbildung 14 zeigt die neue Anordnung.