Über die gebrochene Schrift


Empfohlen werden sollen im folgenden nur gebrochene Schriften aus der Gruppe der Fraktur-Schriften. Denn diese sind die für Lesetexte am besten entwickelte Form gebrochener Schriften.

Allgemeines zur Fraktur und ihrem Satz

Zusammenstellungen über den »richtigen« Satz der Frakturschrift sind im Internet zahlreich vertreten; an dieser Stelle fasse ich die meiner Meinung nach wichtigen Aspekte zusammen und offeriere außerdem eine Vorteil/Nachteil-Betrachtung bei der Nutzung der Fraktur – eine Auflistung, die meiner Kenntnis nach viel zu selten geschrieben steht. Dessen ungeachtet werbe ich nicht dafür, der Frakturschrift wieder zu größerer Verbreitung zu verhelfen oder gar zum generellen Ersatz der heute global verwendeten Antiqua-Schriften! Zweifelsohne gehört die Fraktur in die Vergangenheit, kann für besondere Textarten dennoch reizvoll sein.

 

Gebrochene Schriften, worunter die Fraktur (Fraktura) neben der Textur (Gotische Schrift, Textura), Rundgotischen (Rotunda), Schwabacher und zahlreichen Bastarda nur eine ist (und keinesfalls das Synonym für »gebrochene Schriften«!), mögen nach Ansicht einiger Leute erheblich aus der Mode gekommen sein. Spätestens seit dem Fraktur-Verbot von 1941 im faschistischen Deutschland wurde die Fraktur im europäischen Raum durch die Antiqua-Schriftarten ersetzt. Einige mögen den gebrochenen Schriftarten hinterhertrauern, da sie doch einen Duktus »urtypischen« Schriftbildes zu bedeuten scheinen; heute halten althergebrachte Fraktura meist nur noch zum Satz von Gasthaus-Schildern und Bier-Marken her, um das »Gemütliche« und »Traditionelle« zu unterstreichen. Leider haftet der Fraktur auch ein Echo an, das viele unbewußt oder unbedacht mit der rechtsextremen Szene und/oder Rocker-Tattoos verbinden. Die rein typographische Schönheit der gebrochenen Schriften zu verteidigen, kann daher mühselig, manchmal hoffnungslos sein; gerade, weil die heutigen Antiqua-Schriften so makellos und vollendet in ihrem Anwendungsspektrum erscheinen [1].

 

Die heutige Generation kann die gebrochenen Schriften häufig weder lesen noch schreiben bzw. zeichnen. Das hat vor allem zwei Ursachen:

  • Die Buchstabenformen sind durch gebrochene oder teilgebrochene Abschnitte komplizierter als die Formen der Antiqua oder Serifenlosen. Das Schreiben gebrochener Buchstaben erfordert ein spezielles Schreibwerkzeug, die Schreibfeder mit breiter Spitze.
  • Gebrochene Schriften kennen weitere Buchstaben, etwa das runde Schluß-r oder zwei Formen des Minuskel-s, die in modernen Schriften nicht mehr vorkommen (unnötig sind [2]). Auch viele Versalien scheinen sich auf den ersten Blick stark zu ähneln.

Man beachte bei all seinen Vorurteilen gegenüber einer gebrochenen Schrift, daß das »schlecht lesbare« Schriftbild nur daraus resultiert, daß es nicht gewohnt ist. Den Menschen, die Anfang des letzten Jahrhunderts die Tageszeitung in Fraktur gelesen haben, kam die heutige Antiqua ebenso schlecht lesbar und fremd vor, wie uns heute die gebrochenen Schriften!

 

Gebrochene Schrift ist übrigens keinesfalls eine allein »deutsche Schrift«, wie häufig falsch behauptet wird. In der Tat war sie vor Jahrhunderten in ganz Europa verbreitet und wurde in Frankreich ebenso benutzt wie in Italien und Dänemark, insbesondere aber auch in Böhmen. Richtig ist, daß seitdem die Frakturschriften (als jüngster Ableger) nur im deutschen Sprachraum benutzt und weiterentwickelt wurden.

 

Wichtig ist noch zu wissen, daß sich die Frakturschriften, d.h. die jüngste Abart der gebrochenen Schriften, für den Mengentext sehr wohl eignen (nicht umsonst wurde sie über Jahrhunderte zum Setzen von Büchern verwendet!). Ausgenommen davon sind die Gotische und Schwabacher Schrift.

Vorteile einer gebrochenen Schrift

Frakturbuchstaben sind nicht einfach nur »eckige Varianten« der uns bekannten Antiqua-Buchstaben, sondern weisen einige Eigenheiten auf:

  • Im Vergleich zu den Antiqua-Buchstaben sind die Buchstabenformen der Fraktur vielfältiger; Gemeine und Versalien haben häufiger und deutlicher ausgeprägte Ober- und Unterlängen; die Buchstaben unterscheiden sich stärker voneinander und können damit beim Lesen leichter erfaßt werden. Das Schriftbild ist dadurch abwechslungsreicher (das Auge ermüdet weniger beim Lesen), aber auch gleichmäßiger, weil sich die von der Antiqua bekannten »Zeilenbänder« weniger abzeichnen: Je nach Fraktur-Schriftart können die zahlreichen Winkel und Neigungen der Buchstaben die Zeilenbildung sogar begünstigen.
  • Die Fraktur-Buchstaben haben generell kaum Fleisch oder Überhänge [3]. Dadurch wirkt das Satzbild weniger »löchrig«. Außerdem sehen die Kleinbuchstaben neben den Großbuchstaben weniger »fremd« aus als in einer Antiqua-Schriftart [4]. Beides erhöht den Grauwert der Seite.
  • Die Frakturschriften kennen viel mehr Ligaturen als die Antiqua-Schriften: neben fi und fl gelten ch, ck und tz als sog. Zwangsligaturen und müssen immer gesetzt werden. Weitere Ligaturen sind z. B. tt, fft, fj, ll. Da der Gebrauch des langen Minuskel-s normal ist, gibt es außerdem Ligaturen damit. Ligaturen erhöhen im Allgemeinen die Qualität vom Lesefluß.
  • Die Minuskeln stehen üblicherweise viel dichter als in einer Antiqua. Viele der Buchstaben sind auch schlanker als ihr Antiqua-»Gegenstück«, z.B. das Minuskel-k. Silben und Wörter haben daher eine geringere Laufweite und können vom Auge mit einem Blick erfaßt werden. Insbesondere die konsonantenreiche deutsche Sprache kennt eine ganze Menge Silben, die aus vielen Buchstaben bestehen (schmerz-, kraft-, wunsch-, schwarz-); alle diese Textbestandteile werden dadurch in ihrer Breite reduziert. Vor allem das lange Minuskel-s trägt dazu bei.
  • Die geringere Laufweite der Wörter (siehe vorheriger Punkt) erhöht die Textdichte einer Seite, d.h. man kann bei Verwendung einer Fraktura (abhängig von der verwendeten Fraktur!) mehr Text pro Seite unterbringen als mit einer ähnlich großen Antiqua. Der enge Text gestattet außerdem die problemlose Anwendung von Blocksatz, sodaß das Satzbild meistens ausgesprochen geschlossen wirkt. Weit aufgerissene Wortabstände, wie man sie von einer schlecht umgebrochenen Antiqua im Blocksatz kennt, wird man bei einem Frakturtext selten finden. In vielen Fällen kann eine Fraktura problemlos in zwei engen Spalten gesetzt werden, ohne daß das Satzbild zerreißt [5].
  • Der Gebrauch des Alineas ist nicht ungewöhnlich. Früher hat man einen Text ohne Absätze als fortlaufenden Block gesetzt; Absätze markierte man mit einem vorangestellten Alinea, das erst mit der Zeit an den Beginn einer neuen Zeile rutschte [6]. Der so beschriebene Einsatz eines Alineas ist keinesfalls ein Muß; man kann Frakturtext natürlich auch absatzweise mit einer kleinen Einrückung setzen! Der übermäßige Gebrauch eines Alineas in Antiqua-Texten sieht dagegen seltsam aus.
  • Einen angeblichen Vorteil, dem ich mich nicht anschließe, möchte ich wiedergeben: Demzufolge hilft die zusätzliche Minuskel-s-Form (das lange s) bei Wortunterscheidungen. Da das lange Minuskel-s nur nach ganz bestimmten Regeln eingesetzt werden darf (z.B. immer im Anklang einer Silbe), können Wörter mit nicht eindeutiger Bedeutung angeblich leichter identifiziert werden. Das Parade-Beispiel ist das Wort »Wachstube«: Je nachdem, was gemeint ist (Wach-Stube oder Wachs-Tube) wird in der Fraktur das runde oder lange s eingesetzt; so ergibt sich ganz klar, ob das eine oder andere Wort gemeint ist. Der Grund, weshalb ich mich diesem »Vorteil« nicht anschließe ist, daß sich die Bedeutung eines Wortes in jedem Fall aus dem Kontext ergibt: »Die Soldaten betreten die Wachstube.« bzw. »Ich öffne den Deckel der Wachstube.« Der Leser kann unmöglich an die jeweils andere Wortbedeutung denken.
  • Digitalisierungen gebrochener Schriften können heutzutage oft kostenlos oder für einen geringen Kaufpreis erworben werden. Es ist das Analogon zu den unmodernen Schreibmaschinen, die man heute ebenfalls sehr günstig erstehen kann.

Wissenschaftliche Literatur sollte generell in Antiqua gesetzt werden, nicht nur, weil man sie aufgrund der internationalen Lesbarkeit in Englisch verfaßt – und das Englische eben besser in Antiqua gesetzt wird. Die Fraktur-Schriften sind ganz besonders für deutsche Texte vorgesehen; in gegensätzlicher Betrachtung läßt sich die englische Sprache am besten in einer Antiqua setzen, denn sie enthält – wie Latein, für das die Antiqua ursprünglich geschaffen wurde – kaum Versalien, kurze Wörter und keine Diakritika. Auch hat eine Antiqua mehr Auszeichnungsmöglichkeiten, die in wissenschaftlich-strukturierten Texten sinnvoll angewendet werden können.

Nachteile einer gebrochenen Schrift

  • Nicht vertraute Buchstabenformen, deren Lesen von jungen Generationen erst wieder erlernt werden muß.
  • Speziell zu beachtende Regeln beim Satz von Frakturtext, z.B. hinsichtlich Auszeichnung oder den zwei Minuskel-s-Formen. So wird Typographie wieder zu einem Handwerk, das durch Laien nicht einfach so mit einem PC und ein paar Schriftarten-Dateien imitiert werden kann. Einige gut ausgebaute Frakturschriftarten sind programmiert und bieten eine Heuristik für das lange Minuskel-s und Ligaturen. Das erleichtert die Eingabe, kann bei umfangreichen Texten aber auch die Rechenleistung anheben.
  • Weniger Möglichkeiten zur Auszeichnung von Wörtern oder Textabschnitten. Bei der Fraktur z.B. Sperrung (unsichtbar bei wenigen Buchstaben) oder Schriftmischung (die übliche Schriftmischung mit einer Schwabacher ist nicht sehr auffällig innerhalb von Fraktur-Text, und mittlerweile auch überholt); bei Antiqua dagegen Kursivieren, Kapitälchen, Versalien usf. Richtigerweise müßten der Grundsprache nicht zugehörige Fachwörter in Antiqua gesetzt werden. Das sind bei modernem Deutsch eine ganze Menge …
  • Fraktur ist wahrscheinlich nur für literarische Texte/Gedichte geeignet, da der Satz wissenschaftlicher Texte meistens eine Vielzahl von Diakritika, technischen Symbolen, mathematischen Operatoren und Sonderbuchstaben voraussetzt, die im Fraktursatz (abhängig vom Ausbau der verwendeten Fraktur-Schriftart) einfach nicht enthalten sind.
  • Je nach Schriftart ähneln sich viele Fraktur-Versalien, z.B. N/U oder S/G. Das kann den Lesefluß behindern. Allerdings ergibt sich der richtige Buchstabe in jedem Fall aus dem Kontext. Gewöhnung an das Lesen gebrochener Schrift trägt auch seinen Anteil.
  • Muß man mehrere Versalien als Abkürzung setzen (z.B. Partei-Namen), verringert sich die Lesbarkeit. Kenner empfehlen gleich den Satz in einer Antiqua. Hier gibt es wohl keine verbindliche Regelung.
  • Viele Frakturschriften gibt es nur in einem einzigen Schnitt. Eine zugehörige Halbfette oder Fette sind selten, noch seltener Titel-Schnitte für große Schriftgrößen. Kursive, die man aus der Antiqua-Welt kennt, fehlen generell und sind in Frakturschriften weder vorgesehen noch angebracht. Für wenige Frakturschriften gibt es verschiedene Designgrößen.
  • Die vielen Ligaturen und auch die zwei s-Formen können die Durchsuchbarkeit des Textes in einem PDF verhindern.
  • Die normale Rechtschreibprüfung eines Texteditors oder Textverarbeitungsprogramms (MS Word, LibreOffice Writer etc.) ist für gewöhnlich nicht auf langes Minuskel-s und die vielen Ligaturen eingestellt und wird an jeder Stelle entsprechende Warnungen mutmaßlich falsch geschriebener Wörter ausgeben. Prinzipiell ist eine Fraktur mit traditioneller (bis 1996 gültiger) Orthographie zu setzen!
  • Die Texterkennung (OCR) eines eingescannten Frakturtextes wird wahrscheinlich versagen, insbesondere bei unsauber gedruckten Vorlagen.
  • Wird der Frakturtext mit einer anderen Schrift (Antiqua, Schwabacher) gemischt, ist dringend die Absatzformatierung der Textverarbeitung (MS Word, LO Writer) beizubehalten. Denn eine vollständige Umstellung auf eine andere Fraktur-Schriftart mittels »Alles markieren« würde natürlich auch die einzelnen Wörter bzw. Textpassagen der gemischten Schrift beeinflussen!
  • Das durch die komplexeren Buchstabenformen erzeugte dichte Satzbild erfordert mehr Tinte beim Druck.

Häufige Fehler beim Satz von gebrochenen Schriften

  • Kursivierung bzw. Schrägstellung als Textauszeichnung ist tabu, Schriftmischung (traditionell mit der Schwabacher) sind problematisch, da wenig auffällig. Wie Unger dereinst feststellte, ist die Sperrung das angemessene Mittel zur Auszeichnung in Fraktur-Fließtext.
  • Als Anführungszeichen kommen allein die deutschen Gänsefüßchen infrage, d.h. entweder 99–99 („ „) oder 99–66 („ “). Chevrons (» «) und Guillemets (« ») sind tabu und bleiben in der Antiqua (sind aber oft im Glyphensatz digitalisiert)!
  • Aus dem Lateinischen stammende Kunstwörter, Lehnwörter, Markenbezeichnungen und anderes, das nicht aus der Grundsprache abgeleitet ist, sollte in einer Antiqua gesetzt werden, so z.B. taxonomische Begriffe (Gattung/Art). Ebenso sollten chemische Symbole und physikalische Einheiten nicht in gebrochener Schrift gesetzt werden. Verbindliche Regeln gibt es aber nicht, auch wenn sie überall zu stehen scheinen.
  • Anwendung der neuen deutschen Rechtschreibung auf Frakturtexte ist unsinnig (siehe oben).
  • Werden Auflistungen innerhalb des Textes verwendet, setzt man die vorangestellten Nummern in einer Antiqua.
  • Standard- und Zwangsligaturen müssen stets gesetzt werden. Auf den korrekten Einsatz des langen Minuskel-s ist zwingend zu achten! Die auf der Ligafaktur-Webseite angebotenen Schriften sind durchweg programmiert und führend durch eine interne Heuristik automatisch eine Ersetzung der Ligaturen durch. Verwendet man eine gebrochene Schrift ohne diesen Automatismus, müssen Buchstabenpaare anschließend von Hand durch die entsprechende Ligatur ersetzt werden. Eine Ersetzungstabelle für gebrochene Schriften findet sich hier.

Schriftgröße und Zeilenabstand

Für fast alle (digital verfügbaren) Fraktur-Schriftarten hat sich eine Schriftgröße von wenigstens 14 pt (Cicero) bei einem Zeilenabstand von 0,95- bis 1-fach bewährt (Grundschrift, Mengentext). Natürlich hängt es von der einzelnen Schriftart ab, ob diese Werte stimmig sind (siehe Tabelle).

Satzspiegel und Seitengröße

Frakturtexte wurden für Bücher entwickelt, die nicht unseren heute allgegenwärtigen (europäischen) Papiernormen (A4 und die anderen Abwandlungen vom sog. Normformat) entsprachen. Die Konstruktion von Satzspiegel aus harmonischen Seitenverhältnissen, wie sie eine Fraktur angemessen wiedergeben können, sind hier beschrieben.

 

Das zweispaltige Layout ist für informative Texte immer gern gesehen; bei Prosa in Fraktur ist der geschlossene Satzblock aber besser.

Satz gebrochener Schriften mit TeX

Das einzige von den gängigen TeX-Distributionen mitgelieferte, aber stark veraltete Paket zur Darstellung gebrochener Schriften mit LaTeX heißt yfonts. Leider zeigt es, trotz der Anpassungen mit dem neuen frakturx-Paket, zahlreiche Mängel. Davon ist ein unvollständiger Zeichensatz nur ein Aspekt. Insgesamt ist die Situation mit diesem Paket unbefriedigend.

 

In einer früheren Version dieses Dokuments habe ich ausführlich den Gebrauch des yfonts-Pakets mit LaTeX beschrieben. Aufgrund der im folgenden genannten Mängel an diesem Paket habe ich mich entschieden, den Gebrauch mit diesem Paket nicht mehr wiederzugeben. Insgesamt rate ich von der Benutzung dieses Pakets ab.

 

Wer gebrochene Schrift unbedingt mit TeX setzen möchte, sollte erwägen, eine externe Schriftart mithilfe von XeTeX oder LuaTeX einzubinden. Inwieweit dann noch eine programmierte Heuristik zum Ersetzen von Ligaturen und dem langen Minuskel-s funktioniert, kann ich mangels Erfahrung (noch) nicht sagen.

 

Probleme mit der yfonts-Fraktur (yfrak):

yfonts stellt Befehle zum Erzeugen von Gotischer-, Schwabacher- und Fraktur-Schrift bereit. Letztere scheint eine Mischung verschiedener Frakturschriften zu sein:

  • aus der Zentenar-Fraktur: Versal-Z
  • aus der Walbaum-Fraktur: Versal-Y, Minuskel-k und die meisten Ligaturen
  • aus der Breitkopf-Fraktur: Versal-F, Versal-Q, Minuskel-z und alle Ziffern
  • Minuskel-x und die Ligatur aus dem langen Minuskel-s und t scheinen eine eigene Entwicklung zu sein; jedenfalls habe ich in meinen Musterbüchern keine Vorlage gefunden.

Daß die yfonts-Fraktur Buchstaben aus verschiedenen Epochen bunt zusammenmischt, kann nicht stimmig sein. Außerdem:

  • Das Alinea fehlt.
  • Während des Kompilierens wird ein Versal-J in ein Versal-I übersetzt, obwohl ein separates Versal-J laut Glyphentabelle enthalten ist!
  • Es fehlen wichtige (fi, fl) und unwesentliche (tt, ft) Ligaturen.
  • Die Versalien sind viel zu schmal und wirken künstlich gedrängt.
  • Kommata und Anführungsstriche sind sehr auffällig.
  • Im Druckbild ist die yfrak-Fraktur schlecht lesbar.

Fußnoten

[1] Dabei handelt es sich nur um weniger kompliziert gezeichnete Formen derselben Buchstaben; eine Entwicklung, die momentan in den Grotesk-Schriften mündet, aber nicht zwingend ein Plus an Lesbarkeit bedeutet!

 

[2] Gleiches wird allerdings auch vom deutschen Eszett behauptet, wobei unbedacht bleibt, daß das Eszett (und alle Diakritika) nicht ohne Grund existieren, denn sie kennzeichnen die Silbenbetonung. Das Eszett erhöht in der Verschriftlichung darüber hinaus die Lesbarkeit deutscher Texte.

 

[3] wohl auch wegen der gelegentlich Überhand nehmenden, Fleisch-füllenden »Schnörkelung«

 

[4] … die ja ursprünglich aus karolingischen Unzialen und römischer Monumentalschrift (Capitalis) zusammengeworfen wurde.

 

[5] Obwohl Gutenberg eine Vielzahl von unterschiedlich breiten Leerzeichen und Buchstaben verwendet hat, um ein möglichst harmonisches Satzbild zu erreichen, ist die 42-zeilige Gutenberg-Bibel ein gutes Beispiel für den Gebrauch der gebrochenen Schrift (in diesem Fall eine Textur!, nicht Fraktur!). Wenig bekannt ist, daß zur damaligen Zeit Wörter beinahe beliebig abgekürzt werden konnten (Weglassen von Buchstaben, Kennzeichnung mit Bogen); nur so wurde Gutenbergs perfekter Blocksatz möglich. Eine Methode, die uns mit genormten Buchstaben in modernen Texten nicht mehr zur Verfügung steht, sodaß Blocksatz meistens mit Einbußen beim Wortzwischenraum und Wortzusammenhalt erkauft werden muß.

 

[6] Da das Alinea früher erst nach dem Setzen eingefügt (gemalt) wurde, ließ man einen kleinen Abstand; dieser Abstand ist heute das, was uns als Einrückung am Beginn eines neuen Absatzes vertraut geworden ist.