Tipps zum Schreiben eines Tagebuchs

Im Internet stößt man immer wieder auf „Ratschläge und Tipps“, wie ein gutes Tagebuch zu führen sei bzw. wie man mit einem solchen „beginnt“. Abgesehen davon, dass ich nicht glauben will, dass man jemandem, der ein Tagebuch zu führen beabsichtigt, empfehlen muss, Stift und Papier in die Hand zu nehmen, will ich an dieser Stelle nun auch meine „Ratschläge“ zum Besten geben.

Ich verzichte dabei auf die gängigen Hinweise, dass jeder Eintrag mit einem Datum zu versehen ist (ja, wirklich!). Nur in einer Sache stimme ich mit den Ratschlägen auf anderen Webseiten überein: Man darf sich nicht zum Eintragen gezwungen fühlen, indem man sich beispielsweise tägliche Einträge vornimmt; nein, ein Eintrag wird nur dann vorgenommen, wenn Zeit und Lust dazu besteht, dann darf er auch mal die Ereignisse und Gedanken von einigen Tagen wiedergeben.

Allgemeine Ratschläge

  • Wem „Tagebuch“ zu spießig oder kindisch klingt, der nehme das Fachwort, es lautet „Diarium“.
  • Zu jedem Eintrag gehört neben dem Datum (natürlich!) eine Uhrzeit und ein Ort. Die Uhrzeit kann mangels Uhr auch zur Tageszeit variiert (nachts, morgens) und der Ort kann fern einer Siedlung auch als Koordinaten-Paar angegeben werden.
  • Alle genannten Personen sollten mit einem Pseudonym codiert werden (ggf. auch Ortsnamen). Das gewährt Anonymität bei einer evtl. unerwünschten Veröffentlichung/Einsicht durch Dritte, und sichert, dass niemand Genanntes aus dem Freundes-/Familienkreis in Verlegenheit gebracht wird. Ich persönlich nutze hierfür eine Liste altgermanischer Vornamen, und jede Person erhält einen einzigartigen davon. Die Verwendung eines Pseudonyms vermeidet außerdem, dass man ständig geläufige Vornamen mit einem Nachnamen versehen muss, um sie eindeutig zu halten: Gibt es beispielsweise zweimal einen Robert in seinem Freundeskreis, schreibt man nicht „Robert K. und Robert M.“, sondern „Germar und Bernwalt“.
  • Der Text sollte nicht zensiert werden; das Tagebuch schreibt man für sich selbst, und man sollte nicht in der Erwartung notieren, dass irgendjemand sonst die Einträge liest. Daher gebrauche man das gesamte Repertoir an Schimpfwörtern, schmutzigen Gedanken und Tabu-Themen, so wie der eigene Geist denkt und tickt.
  • Ob man nun in ausformulierten (möglicherweise künstlich klingenden) Sätzen schreibt, oder in Stichpunkten, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Manchmal ist es eine Zeitfrage. Um tägliche Themen zu dokumentieren, ist man mit Stichpunkten freilich schneller, weiß später aber ggf. nicht mehr, was dahinter steht. Ausführliche Sätze verleiten dagegen zu einer Anhäufung von unnützen Füllwörtern (was in jeder Sprache zu vermeiden gilt!).
  • Die Einträge sollten „getaggt“, d. h. mit einer themenspezifischen Farbe/Symbol gekennzeichnet werden. Dokumentiert man beispielsweise Träume und auf die Arbeit bezogene Gedanken neben seinen privaten Erinnerungen, könnte man die Einträge entsprechend farbig trennen, oder mit einer eindeutigen (vorangestellten) Zeichenfolge kennzeichnen (***, //, #%#), um sie später leicht wiederzufinden. Man sehe davon ab, für jeden Eintrag eine konkrete Überschrift zu finden, wie das auf manchen Webseiten empfohlen wird. Ich wüsste jedenfalls keine Überschrift für meine täglichen Eintragungen von belanglosem Zeug. Vielleicht gilt das nicht für einzelne Ereignisse (»die Geburt meines Kindes«, »die Hochzeit eines Freundes«, »der Urlaub in den Bergen« etc.).
  • Gegebenenfalls nimmt man an demselben Tag mehrere Einträge vor (einen morgens, einen abends) – dann schreibe man sie auch als zwei Einträge (jeweils mit einer abweichenden Uhrzeit), denn oftmals stehen spätere Einträge in einem weiterentwickelten Bezug zu einem vorherigen Eintrag. Stehen beide Gedanken (Vorhaben und Ergebnis) im selben Eintrag, wird dies vielleicht nicht mehr deutlich. Um die Wiederholung des Datums zu vermeiden, nutze ich gerne das Wort „Ebenheute“, z.B. „29. März 2007, 14:44 Uhr“ sowie „Ebenheute, 17:32 Uhr“.
  • Prinzipiell kann man mehrere Tagebücher anlegen, die sich thematisch unterscheiden: Eines für Träume, eines für den Alltag, eines für arbeitsbezogene Dinge usw. Wenn man nicht den Überblick verliert, dann gut. Andererseits will niemand ständig fünf verschiedene Tagebücher bei sich haben, nur um den Eintrag in das passende vorzunehmen. Das gilt insbesondere dann, wenn man sich auf der Reise befindet und dann vielleicht das „passende“ Tagebuch daheim liegt. Leichter wird es mit einem einzigen Tagebuch, in dem man Einträge, wie oben beschrieben, zum Beispiel farblich thematisiert. Außerdem muss man dann immer nur ein Buch im Blick behalten.

Worauf soll ich mein Tagebuch schreiben? Papier oder digital?

Vornweg: zu Tagebuch-Blogs im Internet kann ich nichts sagen, so etwas nutze ich nicht.

Wenn man sich für die digitale Variante entscheidet, dann sei Folgendes zu beachten:

  • immer verschlüsselt speichern
  • möglichst in einem offenen Format (odt), am besten als reine Textdatei
  • regelmäßige Backups, am besten Ausdrucke jeder abgeschlossenen Seite
  • Das digitale Tagebuch hat natürlich die Vorzüge, dass es schnell und einfach gesichert werden kann (oder ist es ein Nachteil, wenn die Tagebuch-Datei unbemerkt in Sekundenschnelle ins Internet übertragen oder per E-Mail verschickt werden kann?), außerdem kann man eine Wortzählung verwenden, um den Umfang festzustellen (wen das interessiert).

Die "altmodische Variante": Stift und Papier

Vorzüge

  • Unabhängigkeit von einem Gerät zum Aufzeichnen (Smartphone?, Laptop, PC), unabhängig von Elektrizität/Batteriestand.
  • Ein Tagebuch kann vom Tisch fallen oder nass werden, ohne dass es beschädigt wird.
  • Das Tagebuch kann nicht so leicht verlorengehen oder fremdgelesen werden; man benötigt ja den physisch vorliegenden Gegenstand, um ihn einsehen zu können.
  • Das Papier-Tagebuch wird dasjenige sein, das in 50 oder 100 Jahren noch lesbar ist; ein rein digital gespeichertes Tagebuch ist es mit Sicherheit nicht; man sollte sich also bewusst machen, dass man mit der digitalen Variante nichts Dauerhaftes schafft!
  • Wer dessen fähig ist, kann eine Art Geheimschrift oder Stenographie verwenden. Beides lässt sich am Computer nicht umsetzen.

Weitere Hinweise

  • Das klassische „Tagebuch“ hat ein Format von A6 oder A5, nicht größer. Denn A4 nimmt auf dem Schreibtisch, v. a. aufgeschlagen, zu viel Raum ein und ist auch unpraktischer auf Reisen. Eine Ausnahme stellt eventuell ein „stationäres Tagebuch“, z. B. ein Labor-Tagebuch, dar. Die Größen A6, A5 und A4 haben den Vorzug, dass sie zur Sicherung auf einem handelsüblichen A4-Flachbettscanner gescannt werden können.
  • Bücher mit einem steifen Einband versprechen zwar mehr Schutz für die Seiten, sind aber auch schwerer zu handhaben, wenn man sie flach auf den Tisch aufschlagen will: insbesondere die ersten und die letzten Seiten sind durch die Wulst des Einbandes schwerer zu beschreiben. Stattdessen ziehe ich Hefte ohne steifen Einband (also Softcover) vor, meist im A5-Format. Die Bindung sollte gut geklebt sein (ideal, aber auch teuer, ist eine genähte Bindung). Von einer Ringbindung rate ich ab, denn die ist beim Schreiben irgendwie immer im Weg.
  • In den Einband (nicht gleich auf die erste, am besten auf die zweite Seite) gehören Name und Adresse, falls das Tagebuch mal abhanden kommt.
  • Zur Linienführung der Handschrift gebrauche man liniertes (für eine mittelgroße Handschrift) oder kariertes Papier (für eine kleine Handschrift). Kann man weitgehend gerade schreiben und setzt viele Skizzen/Zeichnungen hinzu, ist natürlich auch unliniertes Papier gut. Ich persönlich nutze kariertes Papier und schreibe pro Kästchen-Reihe meine Buchstaben (kleine Handschrift).
  • Überhaupt sollte man sich um eine gut lesbare Handschrift bemühen, nicht um anderer Leser willen, sondern damit man selbst nach Jahren noch versteht, was man geschrieben hat!
  • Vor dem Schreiben einer Seite sollten Ränder gezogen werden: am Außenrand und am Innensteg wenigstens 1 cm (auf karierten Papier 2 Kästchen); sie können mit einer dünnen Bleistift-Linie vorgegeben werden. Auch von oben und unten sollte wenigstens 1 cm Raum gelassen werden, ehe man seinen Text aufbringt. Grund ist, dass die üblicherweise besonders beanspruchten und zu Beschädigung neigenden Ränder nicht beschrieben werden. So kann später auch kein Text verloren gehen/beschmutzt werden oder abreißen.
  • Selbstverständlich sollte auch ein handgeschriebenes Tagebuch regelmäßig gesichert werden: Die einfachste Methode ist der Scan jeder Seite auf einem Flachbett-Scanner. Die Bilddateien können dann auf eine Festplatte oder CD kopiert und woanders aufbewahrt werden. Sinnvoll ist, jede Seite zuvor zu nummerieren, in jedem Tagebuch von vorne, z. B.: „Diarium 2, Seite 6a“ (die vordere, rechte Seite eines Heftes ist bei mir immer „a“, die Rückseite immer „b“). Bereits gescannte Seiten könnten in einer Ecke mit einem kleinen Symbol gestempelt werden.

Zum Schreibwerkzeug

Versucht habe ich die verschiedensten Materialien (siehe hier); letztendlich ist der Bleistift das beste Schreibmittel, das man finden wird:

  • schreibt stets sofort und mit gleichbleibenden Strich (anders als Kugelschreiber), unabhängig von Temperatur und Druck (Flugzeugkabine!)
  • lichtbeständig und dauerhaft, relativ wasserunempfindlich
  • überall auf der Welt ist Ersatz erhältlich, preisgünstig
  • schmiert nicht, schreibt auf jedem Typ von Papier (anders als Tinte vom Füllfederhalter)
  • Graphit-Strich ist korrigierbar, auch wenn das bei einem Tagebuch nicht gewünscht, vielleicht nicht einmal sinnvoll ist.

Karteikarten und Datenbank

Ein Tagebuch lässt sich auch in diesen beiden Varianten finden, jeweils mit eigenen Vor- und Nachteilen:

Für eine (natürlich digitale) Datenbank gilt all das, was oben auch generell gegen die digitale Aufzeichnung spricht, allem voran die Abhängigkeit von Elektrizität und Hardware. Bei einem Datenbank-Format kommt dazu, dass die Dateistruktur generell leichter zu Beschädigung neigt als ein reines Textformat. Außerdem sind Datenbank eigentlich nicht zur Speicherung großer Textmengen gedacht (sondern für atomar aufgegliederte Daten im tabellarischen Zusammenhang), obwohl Datenbanken dafür extra Feldtypen vorhalten ("Memo"). Was spricht nun für eine Datenbank? Nun, wird ein Formular korrekt eingerichtet, hätte man alle Angaben eines Eintrags stets auf einem Blick (Datum, Uhrzeit, Ort, Kategorie usw.) und könnte darüber hinaus festlegen, dass ein ordentlicher Eintrag nur dann vorliegt, wenn jedes dieser Felder ausgefüllt worden ist. Für eine Ausgabe (Export ins Textformat oder ähnlich) ließe sich einstellen, dass Einträge stets nach Datum und Uhrzeit sortiert werden, sodass die Reihenfolge der Einträge unerheblich ist.

Das Tagebuch im Karteikarten-Format bedeutet, dass jeder Eintrag auf genau einer Karteikarte (handelsübliche Größe, zum Beispiel liniert) unterkommt. Im Kopf stehen Datum und Uhrzeit, Vorder- und Rückseite sind für den Inhalt vorgesehen. Dass die Länge des Eintrags dabei begrenzt ist, muss nicht unbedingt als Nachteil gesehen werden: Ähnlich wie bei Kurzmitteilungen (z. B. SMS) muss man sich dann nämlich in seinen Gedanken beschränken, sodass anstelle von Schwafelei nur die eigentliche Information notiert wird. Wie bei einer Datenbank können die Kärtchen leicht kategorisiert und neu sortiert werden, denn jeder Eintrag liegt einzeln vor. Eine Kategorisierung könnte beispielsweise durch unterschiedliche Farben des Karteikarten-Kartons bewirkt werden (Privates auf rosa Karton, Träume auf grün etc.). Weiterhin vorteilhaft ist, dass man auf Reisen nicht immer sein komplettes Tagebuch mitführen muss, sondern nur einen Stoß leerer Karteikarten (Ersatz im Ausland schwierig? Notfalls jedes zurechtgeschnittene Papier!), die dann unterwegs beschriftet und erst daheim im System einsortiert werden.

Der große Nachteil bei dieser Methode ist, dass alle Karteikarten "zerstreubar" sind, d. h. ein Windstoß reicht und alles ist verteilt. Auch unterwegs kann der Zusammenhalt leicht verlorengehen, wenn man seinen "Karten-Stoß" nicht mit einem Gummiband zusammenhält. Sollte einem wirklich einmal der Sammel-Karton herunterfallen und sich die Karten verstreuen, besteht kaum eine Möglichkeit herauszufinden, welche Einträge abhanden gekommen sind (außer sie wurden vorher nummeriert!). Alles in allem also ein "loses" System gegenüber einem gebundenen Buch oder Heft.