Literaturverwaltung mit LaTeX und BibTeX

Hinweis

Die hier beschriebe Vorgehensweise richtet sich vornehmlich an Nutzer aus den Geowissenschaften, wo im Gegensatz z.B. zu Geisteswissenschaften, Geschichte oder Jura normalerweise eine Sortierung der Literaturverzeichnis-Einträge nach Autor und Jahr erfolgt (und nicht etwa nach der Reihenfolge ihres Auftretens im Manuskript oder dergl.). Auch die Zitierweise im Fließtext weicht teilweise erheblich von Vorgaben aus anderen Fachrichtungen ab.

 

Außerdem wird hier der Einsatz des (eigentlich bereits veralteten) BibTeX beschrieben. Dessen Nachfolger wird hier vorgestellt.

 

Die auf dieser Seite gegebene Anleitung ist die absolute Grundlage und dient allein dazu, ein rudimentäres Literaturverzeichnis für sein Dokument zu erzeugen. Selbstverständlich sind die Pakete bibtex und natbib viel komplexer, wobei man sich für weitergehende Nutzung in deren Paketdokumentation belesen sollte.

Allgemeines Vorgehen

Vorbereitungen

Nun hat man also eine Literaturdatenbank angelegt und eine Stildatei ausgesucht. Die folgende Arbeit geschieht im eigentlichen .tex-Dokument:

 

In die Präambel wird das Paket natbib (naturwissenschaftliche Bibliografie) eingebunden, das u.a. für eine Sortierung der Einträge im Literaturverzeichnis nach Autor und dann nach Jahr sorgt:

\usepackage{natbib}

(Bei Sozialwissenschaften oder Jura ist das wieder anders, dort verwendet man beispielsweise das Paket jurabib; auf dieses wird hier jedoch nicht weiter eingegangen.)

 

(Anmerkung: es kann sein, dass sich manche Stildateien nicht mit dem natbib-Paket vertragen. Dann kommt es beim Kompilieren zu Fehlermeldungen! Die authordate-Familie (Stildateien authordate1 bis authordate4) verträgt sich beispielsweise fehlerfrei mit diesem Paket.)

Literatur und Stil verlinken

An derjenigen Stelle im Dokument, wo das Literaturverzeichnis erscheinen soll, gibt man den Zitierstil und die Literaturdatenbank bzw. den Pfad zur bib-Datei ein. Man beachte, dass keine Endung angegeben wird:

\bibliographystyle{authordate2}
\bibliography{/home/ich/Diplom/literatur}

Dokument kompilieren

Das Dokument wird nun (bei Verwendung von pdfLaTeX) wie im folgenden beschrieben kompiliert. Anders als beim Kompilieren ohne die Verwendung eines automatisierten Literaturverzeichnisses (BibTeX) gibt es eine Reihenfolge, wenn man BibTeX verwendet. Das Kompilieren geschieht in vier Schritten:

  1. Normal kompilieren (z.B. pdflatex): einmal normaler Durchlauf zum Sammeln der zitierten Stellen).
  2. BibTeX kompilieren: dann Kompilierung mit BibTeX (z.B. bei TeXnicCenter über Ausgabe|BibTeX), um das Literaturverzeichnis zu erstellen.
  3. Wieder normal kompilieren (pdflatex): wieder normaler Durchlauf zum Abgleich der gesammelten Zitate mit der BibTeX-Datenbank).
  4. Nochmal normal kompilieren (pdflatex): letzter Durchlauf zum Setzen der Zitate und des Literaturverzeichnisses).

Wurden beim Kompilieren erst einmal die Bibliographie-Dateien erzeugt, muss diese 4-Schritt-Reihenfolge nur noch angewendet werden, wenn sowohl im Quellcode des Dokuments als auch in der Literaturdatenbank etwas geändert worden ist. Wenn dagegen nur im Dokument ein Zitat hinzugekommen ist, für das bereits eine vollständig beschriebene Quelle in der JabRef-Datenbank bestand, führt man lediglich ein einmaliges pdflatex aus.

Literaturverzeichnis ins Inhaltsverzeichnis

Wenn man es nicht explizit befiehlt, erscheint der Eintrag »Literaturverzeichnis« nicht im Inhaltsverzeichnis. Um das zu ändern, gibt man als Option der Dokumentklasse ein:

\documentclass[bibtotoc]{scrreprt}

oder man setzt ein Kommando zum manuellen Hinzufügen eines Eintrags ins Inhaltsverzeichnis (funktioniert übrigens auch bei jeder anderen Gelegenheit) an die Stelle, wo das Literaturverzeichnis steht:

\addcontentsline{toc}{section}{Literaturverzeichnis}

section gibt hierbei die Ebene im Inhaltsverzeichnis wieder, die das Literaturverzeichnis repräsentieren soll. Möglich ist also auch subsection oder jeder sonst gültige Gliederungsbefehl im Dokument.

 

Die erstgenannte Möglichkeit, bibtotoc als Option der Dokumentklasse zu setzen, wird beim Kompilieren des Dokuments ggf. als obsolet, also veraltet, angemerkt. Mit der neueren Methode mittels biblatex und biber, wie hier beschrieben, passiert das natürlich nicht mehr.

Literaturzitate setzen

In naturwissenschaftlichen verfassten Dokumenten gibt es meist nur zwei wesentliche Zitier-Methoden: Entweder im Satztext integriert oder als Satzanhang:

 

integriert: Nach Mümmelmeier (2008) ist das so.

Anhang: Das ist so (Mümmelmeier, 2008).

 

Um diese beiden Varianten zu erreichen schreibt man daher im Quellcode:

Nach \citet{Mumm08} ist das so. %integriert
Das ist so \citep{Mumm08}. %Anhang

Wie man sieht, kommt der Schlüssel zum Einsatz, den man kurz und knackig für jede Quelle in der vorher angelegten Literaturdatenbank festgelegt hat! Es gibt allerdings auch Varianten, wo man nur das Jahr zitieren will, oder nur den Autor. Auch eine Auflistung von Quellen oder nur die Angabe vom Kapitel ist möglich:

Deren Meinung nach ist das so \citep{Mumm08,Klas34}.
Schon \citeyear{Klas34} wurde gezeigt, dass das wahr ist.
Außerdem weist \citeauthor{James1988} darauf hin.

Mit dem Kommando \nocite kann man Quellen zitieren, die nur im Literaturverzeichnis, aber nicht im Fließtext erscheinen:

\nocite{James1988,Mumm08,Klas34}

führt dazu, dass diese drei Quellen nicht im Fließtext auftauchen, dafür aber im Literaturverzeichnis. Alle sonstigen Varianten für natbib findet man hier.