JabRef

Neben der Möglichkeit, seine Literaturzitate von Hand zu formatieren, rate ich dringend zur Anwendung von BibTeX, das quasi automatisiert alle Literaturzitate verwaltet. Da die Formatierung der Einträge (Schriftart der Autoren, Fettschrift des Zeitschriftenbandes, Komma vor Jahreszahl oder nicht usw.) automatisiert ist, sind die Zitate im Fließtext und das Literaturverzeichnis am Ende des Dokuments immer konsequent und fehlerfrei formatiert. Ein weiterer Vorteil ist, dass wenn beispielsweise ein Zitat im Text gelöscht wird, gleiches mit dem entsprechenden Eintrag im Literaturverzeichnis geschieht, sodass es niemals »Leichen« von Zitaten geben wird, die im Literaturverzeichnis gar nicht auftauchen oder umgekehrt! (Allerdings kann man mit \nocite einen Eintrag im Literaturverzeichnis erscheinen lassen, ohne dass im Text darauf verwiesen wurde.)

 

Im folgenden stelle ich eine (mögliche) Reihenfolge vor, um zu einem automatisierten Literaturverzeichnis mit BibTeX zu kommen.

Literaturdatenbank anlegen

Fenster von JabRef.
Fenster von JabRef.

Die Literaturdatenbank trägt die Endung .bib und liegt als Datei für gewöhnlich im gleichen Ordner wie das .tex-Dokument. Ich empfehle, der Datei einen einfachen Titel zu geben, z.B. literatur.bib.

 

Erstellt wird die Datei entweder mit dem Texteditor (dazu muss man allerdings die BibTeX-Syntax auswendig kennen), oder – viel komfortabler – mit einer freien Literaturverwaltungssoftware für BibTeX. Davon gibt es eine ganze Menge, ich empfehle ausschließlich und uneingeschränkt die freie Literaturverwaltungssoftware JabRef, das für alle großen Plattformen erhältlich ist.

 

Vorteil der Anwendung einer solchen Software ist, dass alle Einzelquellen z.B. sortiert, gruppiert oder gefiltert werden können und damit viel übersichtlicher zu handhaben sind. Natürlich kann man die .bib-Datei auch mit jedem Texteditor öffnen und so selbst kleine Änderungen vornehmen.

 

Nach dem ersten Start von JabRef, sollte man als erstes unter Optionen|Einstellungen → Standard-Zeichencodierung den Wert UTF8 einstellen. Wieso, steht hier.

 

Verwendet man in seiner Literaturdatenbank diese Zeichencodierung, muss sie natürlich auch im LaTeX-Dokument verwendet werden (sonst gibts Komplikationen!).

 

Schließlich kann über Datei|Neu in JabRef eine neue Datenbank angelegt werden.

Neue Quellen in JabRef aufnehmen

In der .bib-Datei werden alle verfügbaren Quellen-Informationen wie Autor, Titel, Jahr, Seitenzahl usw. angelegt und gespeichert. Innerhalb von JabRef kann man ein neues Zitat über den Plus-Button hinzufügen. Nachdem man sich für einen Quellentyp (Zeitschriften-Artikel, Buch usw.) entschieden hat, trägt man die erforderlichen Informationen in die Eingabemaske ein. Folgendes sollte beim Eintragen der Informationen in die Datenbank beachtet werden:

  1. Einzigartiger und kurzer Schlüssel für jede Quelle: Keine Umlaute verwenden, wenn möglich nur kurze Schlüssel je Quelle, z.B. den Nachnamen des (Erst-)Autors oder -Editors und Jahreszahl (z.B. Schmidt1993). Um Redundanzen zu vermeiden, kann man unter JabRef auch einen automatischen BibTeX-Key erstellen lassen (Zauberstab-Icon), der in anpassbarer Form genau das ausgibt, aber eben vorher prüft, ob es diesen Schlüssel schon gibt: So wird automatisch ein Schmidt1993a generiert, falls es einen Schlüssel Schmidt1993 schon gibt. (Nach welchen Einträgen der Schlüssel zusammengestellt wird, lässt sich in den JabRef-Optionen eingestellen.)
  2. Optional ist das Umklammern von Titeln und Zeitschriften-Namen mit geschweiften Klammern. Hintergrund ist, dass einige Zitierstile völlig freizügig nach dem Kompilieren alle Großbuchstaben zu Kleinbuchstaben umgesetzt haben. Aus einem Buchtitel wird dann ganz schnell »Das buch vom leben«, was nicht nur komisch aussieht, sondern – v.a. im Zusammenhang mit Eigennamen – auch falsch ist. Um dem generell entgegenzuwirken, kann man entweder alle Großbuchstaben seines Titels (Buchtitels, Zeitschriftennamens…) von Hand in geschweifte Klammern einfassen ({E}hrbarer {A}del) oder ganz einfach den kompletten Titel stets vorsorglich in geschweifte Klammern setzen – dann kann es einem später egal sein, was der Zitier-Stil versuchen will; Großbuchstaben bleiben auch Großbuchstaben, wie es sich gehört. Eine weitere Alternative eröffnet sich für JabRef-Nutzer: Diese können im Menü Optionen|Einstellungen → Tab »Datei« ein Häkchen unter »Die folgenden Felder mit geschweiften Klammern um die Großbuchstaben speichern« und im nachstehenden Feld zum Beispiel »Title« eintragen. Folglich werden alle Großbuchstaben von JabRef automatisiert in eine geschweifte Klammer eingefasst und damit vor ungewollter Kleinschreibung geschützt. Nachteil dieser Methode ist wiederum, dass der Suchalgorithmus Schwierigkeiten haben wird, wenn man fortan nach Adel statt {A}del sucht. Der beste (und auch von mir praktizierte) Weg ist wahrscheinlich, das ganze Einklammern sein zu lassen und schlicht darauf zu achten, dass man keinen Zitierstil wählt, der einer solch blödsinnigen Konvention (durch die Zeitschriften-/Verlagsvorgabe) folgt.
  3. Treten im Titel kursiv geschriebene Abschnitte auf, werden sie in JabRef mit \textit{ } eingeklammert. Alternativ kann man auch \em{ } verwenden (abgeleitet von emphasize = hervorheben); das macht jedoch mit BibLaTeX Probleme, weil dann beim Setzen des Literatureintrags nicht nur dieser Abschnitt kursiviert wird, sondern auch jedes folgende Wort.
  4. Autoren-Namen mit and trennen: Müller, Hans and Bauer, Jonas and Ulrichs, Hagen. Manche Autoren haben mehrere Initialen, die man mit einem ganzen Leerzeichen trennt (mit oder ohne Punkt) (Archibald, E. A. and Rippler, C. C. W.); schließlich beeinflusst der Zitier-Stil nicht nur die erscheinende Anzahl und den Abstand zwischen den Initialen, sondern auch, ob ausgeschriebene Vornamen zu Initialen verkürzt werden. Alternativ kann man auch zuerst den Vornamen schreiben: Hans Müller and Jonas Bauer and Willi van den Hoost – hauptsache einheitlich innerhalb eines Eintrags. Will man aufgrund der Masse der Autoren-Namen einfach auf ein »et al.« hinaus, kann man auch gleich schreiben: Archibald, E. A. and others – das and others wird automatisch beim BibTeX-Kompilieren zu et al. umgewandelt.
  5. Im Feld »Auflage« (bei Quellentyp »Buch«) nur Ziffern schreiben: Gibt man die Auflage des Buches an, schreibt man diese nicht aus, sondern gibt nur die Ziffer an (ohne Punkt), z.B. 3. Den Rest macht BibTeX. Je nach Zitierstil wird automatisch daraus ein Zahlwort oder ein . Auflage angestellt.
  6. Seitenzahlen mit Gedankenstrich verbinden: Gibt man die Seitenzahlen an, z.B. bei dem Quellentyp »Artikel«, wird zwischen die Seitenzahlen ein Gedankenstrich, kein Bindestrich!, gesetzt, z.B. 410--415. (Zwar macht BibTeX aus dem einfachen Strich automatisch einen korrekten Bindestrich, aber man kann sich ja gleich die richtige Schreibweise angewöhnen.)
  7. Seitenzahlen von Büchern sind eine knifflige und nervtötende Sache: Normalerweise würde ich empfehlen, einfach die Anzahl der Seiten als Zahl in das entsprechende Feld einzutragen, also z.B. 635. Je nach Zitierstil wird aber ein pp. oder S. oder anderes angestellt. Man kann auch mit den Varianten spielen, indem man beispielsweise bereits in der BibTex-Datenbank ein 635~S. eingibt. Aber dann muss man aufpassen, wenn man diesen Eintrag in einem englischen Text verwendet. (Die Tilde sorgt für ein festes Leerzeichen, sodass die Zahl und das »S.« nicht durch Zeilenumbruch getrennt werden.)
  8. Angabe von Notizen: Gleiches Problem wie bei der Angabe der Seitenzahlen bei Büchern: Beliebt ist beispielsweise die Angabe von »unveröffentlicht« in das Notiz-Feld bei Diplomarbeiten (Eintragstypen phdthesis oder masterthesis). Ohne Frage kann man »unveröffentlicht« eintragen, die hier befindliche Notiz wird dann einfach nach dem Kompilieren dem Eintrag im Literaturverzeichnis als Letztes angefügt, meist auch kursiv abgesetzt. Wie aber gesagt besteht das Problem, wenn man den gleichen Eintrag in einem englischen (oder sonstigen fremdsprachigen) Text verwenden will – dann muss man in der BibTeX-Datenbank vorher alles ein-englischen. Oder man verzichtet gleich auf so was.