Auf folgenden Artikel stieß ich 2022 zufällig im Internet:
»GEOlino-Berufslexikon: Geologe/Geologin« (Link)
Interessiert las ich mir also durch, was man über meinen Beruf an die Kinder vermittelt. Die Idee, den Beruf anhand einer Art Reisebeschreibung (Exkursion in den Anden) zu beschreiben, finde ich gut.
Wie erwartet, steckte der Artikel voller fachlicher Fehler, auf die ich mit einem Leserbrief einging. Einiges davon wurde auf der Webseite mittlerweile korrigiert.
Tadel 1: Bildunterschrift des Titelfotos: »Ein Geologe sucht das Gestein eines Felsens«. Ist natürlich Unsinn, denn der Geologe »sucht« es nicht, er »untersucht« es. Er untersucht auch nicht das »Gestein eines Felsens«, sondern er untersucht entweder das Gestein oder er untersucht den Felsen. Der Felsen besteht aus Gestein. *augenroll*
Tadel 2: In der Headline wird formuliert, »Geologinnen und Geologen können in Steinen lesen.« Das ist nur halbwahr, denn zur Geologie (»Erdwissenschaften«) gehört auch die Hydrogeologie, der Boden, das Klima, die Mineralogie, die Hydrosphäre, die Kryosphäre, sogar die planetare Geologie u.a. Fachbereiche. Das alles wird hier leider unterschlagen, obwohl weiter unten im Artikel auf die Hydrogeologie eingegangen wird. Es drängt sich dem Leser damit die stereotypische Vorstellung auf, daß der Geologe nur »mit Hammer auf Steine klopft«.
Tadel 3: Zahlreiche orthografische und grammtikalische Fehler waren auffällig und ließen vermuten, daß der Artikel nicht lektoriert worden ist. Nach meinem Hinweis (Leserbrief) wurden einige Fehler davon stillheimlich korrigiert. Trotzdem eine Auswahl:
Ich merke demütig an, daß ich mit den letzten beiden Beispielen die traditionelle Rechtschreibung angekreidet habe, obwohl ich sie auf meiner (dieser) Webseite konsequent anwende. Aber in einem Berufelexikon eines Verlags sollte man sich schon an die aktuelle Rechtschreibung halten, sie zumindest nicht mischen.
Tadel 4: Eine Bildunterschrift namens »Ein Zelt im Irgendwo«. Gemeint war vermutlich das Zelt im »Nirgendwo«. Also entweder hat jemand das falsche Wort benutzt, oder es ist stilistische Freiheit.
Tadel 5: Im Abschnitt »Faszination Steinbruch« steht ein Satz: »Damals entdeckte er versteinerte Schnecken und Muscheln in den Steinbrüchen seiner damaligen Heimatgemeinde. Er erkannte, dass Steine viel über eine längst vergangene Zeit erzählen können.« | Das alles klingt zwar schön und edel, aber doch laienhaft. Wenn ich gerade noch von Schnecken und Muscheln erzähle (Anmerkung: statt »Schnecken« sind vermutlich Cephalopoden gemeint, die Laien von Schnecken oftmals nicht unterscheiden können), dann »reden« nicht die Steine, sondern die Fossilien in den Steinen.
Tadel 6: Einige fiese Kommafehler (mittlerweile korrigiert): »Neben diesen geologischen Fächern, sollte man …« – hier ist selbstverständlich das Komma zuviel.
Tadel 7: Satzkonstruktionen ohne Verb (mittlerweile korrigiert, obwohl immer noch holprig formuliert): »Zum Beispiel als Paläontologin oder Paläontologe Fossilien suchen und das Leben von ausgestorbenen Lebewesen erforschen. Oder als moderne "Goldsuchende" Bodenschätze wie Erdöl, Edelmetalle oder Kohle aufspüren.«
Tadel 8: Ein ganz böses Foul bei folgendem Satzanfang: »Als Hydrogeologe oder Hydriologe [sic!] untersucht man das Grundwasser, das sich unterhalb der Erdoberfläche befindet.« (Schreibweise übernommen!, mittlerweile korrigiert) Hier muss man erstmal klarstellen, was gemeint ist. Hydrogeologe oder Hydrologe? Das ist etwas anderes! Letzteres gehört nur bedingt zur Geologie, jedenfalls kenne ich einige Hydrologen, die sich nicht Geologen nennen lassen. Ich vermute, daß an dieser Stelle der Zwang zum Gendern genau das bewirkt hat, was immer befürchtet wird: daß nämlich die deutsche Sprache unklar und zersetzt wird. Ich vermute, es sollte heißen »Hydrogeologin und Hydrogeologe«. Was mittlerweile als Satzteil (stillheimlich) gelöscht wurde, war die Behauptung, daß sich der Hydrogeologe um die »Reinhaltung des Wassers« und die »Wasserversorgung« kümmere. Im Leserbrief schrieb ich dazu lakonisch: »Der Hydrogeologe kümmert sich auch nicht um die Reinhaltung des Wassers, das machen die Klärwerke. Der Hydrogeologe kümmert sich auch nicht um die Wasserversorgung, das machen die sog. Wasserversorger mit Brunnen im Wasserschutzgebiet (jedenfalls in Deutschland). Der Hydrogeologe beschreibt die Grundwasserleiter und deren Wasserführung, die Deckschichten (Grundwassergeringleiter oder -stauer), die Durchlässigkeiten der Gesteine, die Verfügbarkeit oder Verunreinigung (z.B. Versalzung) von Grundwasser; die Druckverhältnisse (z.B. Artesik), den Flurabstand, die Fließrichtung des Grundwassers, die Trends der Grundwassermenge, die Grundwasserneubildung; all das mithilfe von Bohrungen, meist Brunnen oder Messstellen.«
Tadel 9: Der begleitete Geologe wird wie folgt beschrieben: »Während seiner Zeit in den bolivianischen Anden wandert Joachim Müller täglich viele Kilometer. An interessanten Stellen hält er an und untersucht das Gestein. Fossilien verraten ihm das Alter der Felsen. Mit dem Kompass misst er die Neigung und die Orientierung der Schichten und der Störungsflächen ein – Daten, die er sofort in sein Feldbuch und seine Geländekarte einträgt.« | Als echter Geologe wird man hier sofort stutzig, denn wenn jemand Störungsflächen und Falten einmißt (Falten werden im Artikel weiter oben erwähnt), dann bewegt er sich in einem tektonisch überprägten Gebiet. Tektonisch überprägte Gebiete sind zwar geologisch interessant, aber dort dürften sich keine mit Auge sichtbaren Fossilien befinden, die einem »das Alter der Felsen verraten«. In metamorpher Fazies sind üblicherweise keine Fossilien zu erwarten. Beides schließt sich aus, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B. Conodonten und Scolecodonten in karbonatischer Fazies). Störungen kann es indes auch in Sedimentpaketen geben, allerdings bleiben dort in den jeweils verstellten Schichten die Fossilien erhalten.
Tadel 10: Mich stört der Ausdruck: »Noch rasch ein Foto mit einer Münze oder dem Bleistift als Größenvergleich, noch ein paar beschreibende Notizen - und weiter geht's.« |Ich sage nur: weia – soll das das schludrige Bild sein, das den jungen Studenten vermittelt werden soll? In meinem Kurs hätte ich so jemandem andere Mittel in die Hand gegeben, und sey es ein gewöhnlicher metrischer Maßstab! Das wirft jedenfalls ein schlechtes Licht auf den begleiteten Geologen.
Abschließend habe ich in meinem Leserbrief angemerkt, daß das konsequente Gendern jedweder Berufsbezeichnungen während des Lesens des Artikels unerträglich gewesen sei. Die Sätze wurden unnötig lang, und wie das Beispiel zeigt (Tadel 8, siehe oben) werden Tür und Tor für Mißverständnisse geöffnet. Es ist beklagenswert, daß dem möglicherweise interessierten Jugendlichen, der sich für ein Geologie-Studium entscheiden will, ein so fehlerbehaftetes Bild vermittelt wird. Aber es ist eben der GEO-Verlag, bei dem ich wegen der Genderei auch mein GEOEpoche-Abo gekündigt habe.